Eidgenössische Geschichtslosigkeit

Agrargeschichte ist nicht förderungswürdig. Findet zumindest das zuständige Staatssekretariat. Stattdessen setzt es auf «Technologiekompetenzzentren». Da stellen sich grundsätzliche wissenschaftspolitische Fragen.

Von Stefan Howald

Seine Qualität steht ausser Zweifel. In bescheidenem Rahmen wird hier Erstaunliches geleistet. Das Archiv für Agrargeschichte (AfA), 2002 gegründet, ist nicht nur eine zentrale Arbeitsstelle zur Agrargeschichte, sondern zur ländlichen Gesellschaft generell.

Auch der Schweizerische Wissenschafts- und Innovationsrat (SWIR) ist voll des Lobes. «Unverzichtbar», «einmalig», sei das erste virtuelle Archiv in der Schweiz, und es besitze eine «bemerkenswerte Ausstrahlung» über die Landesgrenzen hinaus. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) stimmt dieser Einschätzung zu. Und hat nun dennoch ein Gesuch um subsidiäre Bundesunterstützung abgelehnt.

Der herrschende Bürokratismus

Der Entscheid bedeutet vermutlich nicht gerade das Ende des Archivs. Aber damit müssen wichtige Dienstleistungen wie die Online-Portale aufgegeben werden. Die von einem Verein getragene Forschungseinrichtung entstammt einer Initiative des Historikers Peter Moser, der jahrelang auch für die WOZ über die Bedeutung von Agrar- und Bodenpolitik geschrieben hat. Dabei sammelt das AfA selbst nur wenige Dokumente; es sucht und erschliesst vor allem Archivbestände (bisher rund 200), die dann von staatlichen Archiven aufbewahrt werden. Die Findmittel zu den Beständen sind auf der Website www.agrararchiv.ch zugänglich.

Die Begründung der Ablehnung trieft vor Bürokratismus. Zuerst geht es ums Geld, das beschränkt ist. Natürlich, nicht alles kann gefördert werden. Aber angesichts des gesamten Kreditrahmens von 422 Millionen Franken wären die 760 000 Franken, um die das Archiv für vier Jahre nachsuchte, schon noch irgendwo aufzutreiben gewesen. Doch die Förderung der Agrargeschichte fällt vor allem der gegenwärtigen Prioritätensetzung zum Opfer. Da geht es zentral um «Technologiekompetenzzentren» – und um die «bestmögliche Konsolidierung von Forschungsinfrastrukturen mit dem Ziel der minimalen Mengenausweitung». Zu Deutsch: Der erstmalige Antrag des AfA hatte von vornherein keine Chance. Wieso hat dann der Bund ein zweijähriges, für Archiv und Wissenschaftsrat aufwändiges Evaluationsverfahren durchgeführt?

Das AfA hat jetzt Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Das juristische Geplänkel wird sich hinziehen. Aber darin steckt auch eine grundsätzlichere wissenschaftspolitische Frage: Welche Funktion kommt dem SWIR zu? Wozu braucht es ihn, wenn sich das zuständige Departement über dessen Sachverstand hinwegsetzen kann?

Magisches Elixier

Der Rat kann, als politisch unabhängige Kommission, Gesuche beurteilen und Empfehlungen zuhanden des SBFI abgeben. Diese werden laut Gerd Folkers, Präsident des SWIR und Professor für pharmazeutische Chemie an der ETH Zürich, in mehrfachen Durchgängen bereinigt. Danach aber ist die Arbeit des Rats beendet. Die konkreten Entscheide ebenso wie die forschungspolitischen Rahmenbedingungen fallen in die Kompetenz des Bundesrats. Dass weltweit die Humanwissenschaften zurückgedrängt und die utilitaristischen Technologien forciert werden, nimmt allerdings auch Folkers kritisch zur Kenntnis.

Wenn die Politik auf die Industrie 4.0 als magisches Elixier setzen will, muss die Geschichte hinten anstehen. Was das Archiv für Agrargeschichte betrifft, bin ich allerdings eingestandermassen Partei. Bei seinen Findmitteln stösst man nämlich auch auf den Namen Oskar Howald, der ab 1922 Mitarbeiter beim Bauernsekretariat war und 1939 Direktor des Bauernverbands wurde. Der Nachlass meines Grossvaters ist nur dank des Archivs fachgerecht erschlossen worden und der Forschung jetzt verfügbar. Das Archiv wird seine Arbeit weiterhin sachgerecht in einer Mietwohnung in Bern betreiben. Die Eidgenossenschaft aber vergibt sich eine Chance, einen Teil ihrer eigenen Geschichte vermehrt kritisch aufzuarbeiten.


Dieser Artikel erschien in der WOZ – Die Wochenzeitung Nr. 15/17 vom 13.4.2017; siehe www.woz.ch

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Dem Lieblingsonkel einen Trick beibringen

Ein europäischer Sonderweg via Brexit erweckt den Anspruch und die Illusion der nationalen Souveränität. Das kennen wir zur Genüge aus der Schweiz. Gelegenheit für einen Vergleich zweier Staaten und ihrer insularen Denkweisen.

Von Stefan Howald

Ein solcher Verfassungszusatz käme teuer zu stehen, durch Rechtsunsicherheit und Nachverhandlungen. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten von Economiesuisse bezüglich der SVP-Initiative «Landesrecht vor Völkerrecht». Mit beiden Hypotheken noch schwerer belastet sieht sich Britannien, da es sich von der EU trennen will. Rund 20 000 Verordnungen, Regelungen und Gesetze sind bei einer Scheidung betroffen. Der Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter klingt dazu wie die Ansage beim Aussteigen aus der Londoner U-Bahn: «Mind the gap», Vorsicht vor einer Lücke. Deshalb stehe der Bundesrat für schnelle Verhandlungen mit Britannien bereit.

Seit einigen Jahren produziert die Schweiz unerwartete Exportgüter. Da ist der Rechtspopulismus samt Sujets für fremdenfeindliche Plakate. Da ist das Mittel der Volksinitiative, die auch von der Alternative für Deutschland entdeckt worden ist. Und dann haben englische Brexit-VertreterInnen, als sie den Austritt Britanniens aus der Europäischen Union verfochten, medienträchtig vom Schweizer Weg abseits der EU geschwärmt.

Fussball für Konfekt

Wenns konkret wird, sieht es freilich anders aus. Der erwogene Anschluss Britanniens an die Europäische Freihandelsassoziation (Efta) hat sich mittlerweile als jene Schnapsidee verflüchtigt, die er immer war. Die wirtschaftliche Grossmacht braucht schliesslich keine Abkommen mit Liechtenstein und Norwegen, sondern mit China und den USA. Dafür kann der bilaterale Pfad der Schweiz durchaus verlockend leuchten. Sie hat ja als Pionierin einen Freihandelsvertrag mit China abgeschlossen.

Oder wie wäre es mit einem Steuerparadies vor dem Festland – nicht bloss Jersey, sondern ganz England (ohne störrische SchottInnen)? In Sachen Steuerprivilegien zeigen sich allerdings verschobene Entwicklungen und gegensätzliche Trends. Hier ist die Schweiz international seit langem unter Druck und hat die Fähigkeit zur Eigeninitiative eingebüsst.

Eben dieser autonome Handlungsspielraum aber liegt jeder Imagination einer nationalen Sonderrolle zugrunde. Die Erwartung, man werde die Geschichte schon steuern können, und zwar alleine, bitteschön. Darin sind sich die beiden Länder ähnlich. Britannien ist schliesslich eine Insel – und die Schweiz stellt sich vor, eine Insel zu sein. Umbrandet von fremden Mächten, nur auf sich gestellt.

Tatsächlich existieren langjährige reale Beziehungen. BritInnnen haben den Wintertourismus in der Schweiz erfunden, bei der Industrialisierung geholfen und Fussball in die Schweiz exportiert; im Gegenzug haben sie einen Entwurf für die Uhr von Big Ben und Tessiner Konfekt gekriegt sowie das Swiss Cottage, was einst ein exotischer Baustil war und weiterhin eine U-Bahn-Station in London ist.

Natürlich, die Beziehung vollzieht sich nicht zwischen Gleichen. Die Schweiz ist der bewundernde Neffe, der dem Lieblingsonkel zuweilen einen Trick beibringen kann. Am stärksten gleicht man sich in einer Mentalität: insulares Denken.

Dieses geht in zwei Richtungen. Einerseits gilt das eigene Land als selbstgenügsamer Mittelpunkt eines Universums, dominieren die Nabelschau, der Rückzug, die «splendid isolation» und das «Réduit». Andererseits wirkt der Anspruch, nach aussen zu wirken, als Vorbild, mit Sendungsbewusstsein und Gottesgnadentum.

Britannien hat ein paar handfestere Gründe mehr, insular zu denken. Doch erliegen auch viele BritInnen imaginären Identitäten. Geschürt werden die von EU-feindlichen Medien in einer Weise, wie sie bei uns kaum unvorstellbar ist. Selbst die politisch unverdächtige BBC trägt zu einem Klima der Abgrenzung bei. In ihren Soap Operas sind die minoritären Ethnien aus dem Commonwealth mittlerweile schön paritätisch vertreten, während Kontinentaleuropa nur als Feriendestination existiert. In den beliebten Spitalserien, die realistisch Privatisierungstendenzen thematisieren, kommen jene nicht vor, die das englische Gesundheitswesen vor dem Kollaps bewahren: das Pflegepersonal aus der EU. Die Abwehr der anderen geschieht so durch Verschweigen.

Ursprungsmythos einer neuen Souveränität

Und jetzt wird also der Ursprungsmythos einer neuen nationalen Souveränität beschworen. Was verloren ging, soll wieder gewonnen werden. Das ist in der globalisierten Wirtschaft eine Schimäre – sie gewinnt jedoch imaginäre Kraft, wenn sie konkretisiert wird: bei der Migration, also bei der Personenfreizügigkeit.

Insulares Denken als Mentalität äussert sich je nach sozialer Lage und Interessen unterschiedlich. Abgewehrt wird unten, was am direktesten auf den Leib rückt: der polnische Handwerker, nicht die indische IT-Spezialistin. Für die Wirtschaftskreise oben hingegen ist das Sendungsbewusstsein des insularen Denkens vom Isolationismus entkoppelt. Deshalb wird sich die City, der Londoner Finanzplatz, der gegen den Brexit war, mit diesem einrichten können: Unsicherheit schafft Gelegenheiten fürs schnelle Geld.

Noch eine Parallele zur Schweiz gibt es: die Schwierigkeit der Linken, eine Haltung gegenüber der EU einzunehmen. Labour sieht sich gegenwärtig durch diese Frage paralysiert. Die – plausible – Position von Labour-Chef Jeremy Corbyn, man könne nicht uneingeschränkt für die EU sein, hat vor dem Referendum beide sozialen Blöcke innerhalb der Partei, ArbeiterInnen wie Mittelstand, verärgert. Jetzt braucht es klare Themen und klare Positionen. Was den Wert flankierender Massnahmen betrifft: Da könnte die Schweiz England durchaus einen Trick beibringen.

 Insular

WOZ-Redaktor Stefan Howald hat schon 2004 ein Buch zum Thema geschrieben: «Insular denken. Grossbritannien und die Schweiz». Der im NZZ-Verlag erschienene Band ist nur noch antiquarisch erhältlich.


Dieser Artikel erschien in der WOZ – Die Wochenzeitung Nr. 14/17 vom 6.4.2017. Siehe www.woz.ch

 

 

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#losertrump, a quick third batch

An office for your daughter: So your money is already running out – #losertrump is a leech

New jobs for miners? They will disappear in the black hole of the economy you can’t handle, #losertrump

Destroy Obamacare? You wish. Instead, its Obama-scare: Trump runs scared of having another fight: He really is a #losertrump

So you are not even able to bang some heads together in the Republican party. And you want to deal with China? Good luck, #losertrump

Your approval rates are getting worse and worse: The worst figures ever in a «honeymoon-period»: #losertrump really is a loser

And the travel ban is still illegal – definitively a #losertrump

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Ein einfaches Gesetz

Robert Musil hat nicht nur einen Vortrag «Über die Dummheit» gehalten, dessen Neuauflage kürzlich eine verschärfte Aktualität bekommen hat,[1] sondern hat sich, als ausgebildeter Ingenieur, immer viel darauf zugute gehalten, etwas von Technik und Naturwissenschaften zu verstehen und damit jene Kluft zu überbrücken, die sich zwischen den damals so bezeichneten Polen von Geist und Verstand zunehmend auftat. Seine Kenntnisse hat er gelegentlich auch auf den Sport angewandt, aufs Tennis oder Schwimmen, wobei es ihm gerade darum ging, Sport sowohl als kulturelles wie naturwissenschaftliches Phänomen zu verstehen.

Seither hat der Zugriff der Naturwissenschaften auf den Sport in einer Dialektik der Aufklärung geradezu gewalttätige Formen angenommen, von «gesunder» Ernährung bis zu den vielfachen Ingredienzien, die alle jene Sportler, die mysteriöserweise unter Asthma leiden, mit Ausnahmegenehmigungen zu sich nehmen dürfen. Weiterhin aber bleiben einfache naturwissenschaftliche Gesetze in Kraft, zum Beispiel das der Reflexion, also: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel, ein Gesetz, das sogar jedem Anschein einleuchtet, anders als etwa die spezielle Relativitätstheorie, von der allgemeinen zu schweigen.

Die klassische Sportart, in der dieses Gesetz zur Anwendung kommt, ist Snooker: Man stosse eine Kugel mit der Spielkugel in einem solchen Einfallswinkel an, dass sie, im Ausfallswinkel weggestossen, im Loch verschwindet und die Spielkugel, ebenfalls im Ausfallswinkel abgestossen, an einen Platz rollt, von dem sich der Spielzug erfolgreich fortsetzen lässt. Bei Fernsehübertragungen wird gelegentlich, wenn ein Spieler gesnookert ist, sein Spielball also den Ball, den er als nächsten spielen sollte, nicht auf direktem Weg erreichen kann, vom Kommentator ein möglicher Ausweg via die Banden auf dem Bildschirm vorgezeichnet, und was dabei mit Hilfe des computer-animated designs vorgeführt wird, spielt sich beim Spieler in Elektronenschnelle im Kopf ab. Ebenso kann oder sollte im Curling ein Double-Take-Out genau vorausberechnet werden. Auch im Eishockey wird ja zum Beispiel, wenn mit der Bande gespielt wird, auf die unverbrüchliche Kraft der Reflexion vertraut, oder beim Volleyball kann der Ausfallswinkel, in dem der Ball von den Händen des Blocks abspringt, zu einem Punktgewinn oder einem -verlust führen, je nachdem ob der Ball ins Aus oder ins Feld des Angreifers zurückspringt. Ja, das Gesetz kann, so unerwartet das tönen mag, selbst beim Fussball eine Rolle spielen.

Wozu es allerdings besonderer Umstände bedarf. Nehmen wir an, hypothetisch, dass einer, der lange Zeit sich nicht mehr aufzuraffen vermochte, seinen Körper schweisstreibend und muskelverzerrend zu quälen, plötzlich wieder auftaucht und in die Halle stolpert, wobei ihm der Ball, ja der eigene Körper, als fremd erscheinen mögen.

Also hetzt dieser Mensch, rein hypothetisch, auf dem Spielfeld umher, sucht den Ball, der sich freilich als widerspenstig und flüchtig erweist, so dass der Ball mehr ihn als er den Ball findet, etwa wenn der Schuss eines Mitspielers, der knapp links am Tor vorbeizischen würde, seine Wade in einem spitzen Einfallswinkel von zehn Grad streift, also in einem spitzen Ausfallswinkel von zehn Grad nach rechts abgelenkt wird und so den Weg ins Tor findet. Einfacher mag es scheinen, wenn ein Prellball im rechten Winkel ins Tor spritzt; doch in höhere, aber immer noch einsichtige Sphären wagen wir uns vor, wenn ein Pass, der hart vors Tor geschlagen wird, in einem Winkel von zwanzig Grad vom Verteidiger abprallt und in einem Winkel von achtzig Grad ans Schienbein jenes vor dem Gehäuse verirrten und verwirrten Spielers auftrifft, und so die Kugel den Weg glücklicher- und dennoch erklärlicherweise ins Tor findet. Zuweilen kann sich die Reflexion – die hier höhnisch mit dem Sprachgebrauch in den Gefilden des Geistes spielt – auch auf die andere Seite auswirken, etwa wenn der Spieler mit dem Gesicht zum eigenen Tor auf einen Pass wartet, der auch kommt, ihm aber vom Schienbein abprallt zu einem gegnerischen Spieler, der, unfairerweise, gerade eben auf einen solchen Ball gelauert hat und ihn nur noch ins Tor zu schieben braucht.

Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel gilt aber nicht nur für Ball versus Fuss oder Schienbein, sondern ebenso für andere Begegnungen zweier Objekte. Nehmen wir, wiederum rein hypothetisch an, in einem Kampf um den Ball werde, unabsichtlich natürlich, ein Ellenbogen ausgefahren und treffe dabei in einem Winkel von sechzig Grad auf die Oberlippe eines ahnungslosen Gegners, von wo er – der Ellenbogen, nicht der Gegner – in einem Winkel von sechzig Grad weiterrutscht und so, mit abgeschwächter Gewalt, auf einem Nasenrücken lande, um dort nicht gerade gravierende aber doch unübersehbare Spuren zu hinterlassen.

Nun gibt es dazu eine schöne Anekdote des Baron von Münchhausen[2], der einst, in Eile, mit seinem Nasenrücken so heftig gegen einen Türbalken knallte, dass ihm Funken aus den Augen stoben, und als er wenig später auf der Entenjagd den Feuerstein vergessen hat, er sich an den Vorfall erinnert, sich auf den Nasenrücken schlägt und mit den so entstandenen Funken seine Lunte entzündet, worauf er mit einer erklecklichen Anzahl von erlegten Enten nachhause zurückkehrt, was im aktuellen Fall allerdings aus diversen Gründen nicht der Fall gewesen ist.

Beim Fussball-Snooker spielten mit: Adi, Adrian1, Adrian2, Küde, Silvano, Max, Sämi, David, Tino, Phiwe, Stefan


 

[1] Siehe die Besprechung in der WOZ Nr. 6 vom 9.2.2017 unter http://www.woz.ch/1706/essay/die-vernunft-vor-den-affekten-retten

[2] Siehe den neuen, wunderschönen im Frankfurter Stromfeld Verlag erschienenen Band «Münchhausens Abenteuer» von Rudolf Erich Raspe, übersetzt von Stefan Howald und herausgegeben zusammen mit Bernhard Wiebel.

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#losertrump, second batch

Hey, #losertrump, what about your travel ban? So there is another defeat by some judge. You know, three strikes and you’re out!

Your first military engagement, and already the first casualties. Will you tell the relatives that this is the mark of a successful commander, #losertrump?

The Mexicans will pay for the wall, you said. And now you have to pencil in some billions in your budget for it: what a loser, #losertrump.

Even Arnie doesn’t love you any more: You really are terminated, #losertrump.

Ask Fox TV, you said when asked an awkward question. So you have to hide behind someone else, because you really are a #losertrump.

So you think you have been tappwired!? Is there nobody else who listens to your ramblings? Sad! #losertrump

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Einbahnverkehr

Weniger flamboyant ist nicht mehr möglich. Ein gesetzter Mann, Glatze, Brille und Bauch, betritt die Bühne, äussert ein paar freundliche Worte, schliesst die Gitarre an, schnallt sie um, und los geht es mit bluesigem Rock.

Dave Mason ist siebzig. Einst spielte er mit Steve Winwood in Traffic. Seine Stimme tönt zuerst ein wenig brüchig und gedrückt, gewinnt dann an Kraft. Sein Gitarrenspiel ist klar, präzis und scharf. Traffic gründete er 1967 in Birmingham, mit Winwood, Drummer Jim Capaldi und Bläser Chris Wood. Die Gruppe existierte in wechselnder Besetzung bis 1975, in einer eigenen Nische zwischen Progrock und Folkrock. Mason sprang mehrfach ab, hatte dann moderaten Erfolg als Solomusiker in den USA, wirkte auf zahlreichen Alben, mit George Harrison, Eric Clapton, Fleetwood Mac oder Michael Jackson.

Die unvergleichliche Union Chapel in Islington ist an diesem Freitagabend gut besetzt, aber beileibe nicht ausverkauft. Es ist ein beschaulich gesetztes Publikum. Wenn andere Pop-Dinosaurier auftreten, Bob Dylan, die Rolling Stones oder selbst Patti Smith, um drei beliebige Beispiele zu nehmen, dann dominieren zwar ebenfalls ältere Fans, aber dazwischen finden sich doch etliche jüngere, die diese Musik neu entdeckt haben. Bei Dave Mason scheint das nicht der Fall zu sein. Dafür war er nie ganz der grosse Star, und so ist ihm überwiegend sein ehemaliges Publikum treu geblieben. Der mehrfach gecoverte Hit «Feelin’ Alright» wird mittlerweile in einem Werbespot von der spanischen Bank Santander benutzt, das bringt angenehme Tantiemen. Aber es ist doch ein bisschen ernüchternd, wenn man eigenhändig auf den bescheidenen Merchandising-Stand in der Eingangshalle hinweisen muss.

Dave Mason - Traffic Jam

Dave Mason – Traffic Jam

Bei Traffic war Mason für den psychedelischen Touch zuständig; in einem beiläufigen Witz meint er, in einem der damaligen Stücke habe er Sitar gespielt, jetzt könnte er nicht mal mehr die entsprechende Sitzhaltung einnehmen. Mittlerweile gibt er sich traditioneller: gepflegter Rock oder Bluesrock. Schlagzeuger Alvino Bennett schlägt einen soliden Rhythmus, kein Takt ausser der Reihe, Gitarrist Johnne Sambataro darf zweimal den Solisten mimen, und Keyboarder Tony Patler zeigt gelegentlich, was er könnte, wenn er sich nicht zumeist auf Basslinien beschränken würde.

Im Mittelpunkt aber steht Dave Masons Gitarre, inklusive Wah-Wah-Pedal. Ja, Mason hat mit Jimi Hendrix auf dessen epochaler Version von «All Along the Watchtower» gespielt, und er präsentiert seit etlichen Jahren eine eigene Version. Schöne, muskulöse Gitarrenläufe, aber das Charismatische fehlt, natürlich.

Das Konzert rockt so vor sich hin, angenehm, unterhaltsam, gewinnt an Tiefe, wenn ein altes Traffic-Stück gespielt wird. Aber insgesamt ist es doch eher ein melancholischer Abend.

Stefan Howald

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Londoner Festung

London_SilhouetteDas Barbican sitzt wie ein Schlachtschiff mitten in London. Abgeschlossen von der Aussenwelt durch brutalistische Riegelbauten, drei Hochhäuser ragen empor, und man prallt an Beton ab. Drinnen dann ein künstlicher Teich, viel Grün, und noch mehr Beton.

Der Name Barbican stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Festung, und tatsächlich ist die Überbauung streckenweise an die römische Ringmauer von Londinium angelehnt. Dabei ist sie noch nicht einmal fünfzig Jahre alt. In den 1960er-Jahren wurde auf einer zerbombten Fläche im Quartier Cripplegate der City of London der Barbican Estate als eine beinahe autarke Wohnsiedlung erbaut. 1969 eröffnet, wurde sie Mitte der 1970er-Jahre durch drei Hochhäuser mit je 42 Stockwerken ergänzt und beherbergt gegenwärtig rund 4000 BewohnerInnen mitten im Finanzdistrikt der Finanzmetropole. Sie ist ein führendes Beispiel des Nachkriegsbrutalismus, die, selten für England, Ideen von Le Corbusier aufnimmt. 1982 wurde der Estate durch das Barbican Center ergänzt, das mit Theater- und Konzertsaal, Kinos und Ausstellungsräumen eines der grössten Kultur- und Konferenzzentren in Europas bildet.

2014 haben die FilmemacherInnen Ila Bêka und Louise Lemoine den Film «Barbicana» gedreht, ein faszinierendes Porträt über dieses einmalige architektonische und soziale Biotop. Der Film wird am kommenden Mittwoch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur vorgeführt. Im Anschluss daran diskutieren HTW-Dozent Daniel Walser und der Journalist Stefan Howald, der eine Zeitlang im Barbican gelebt hat.

Mittwoch, 1. März, 18.30 Uhr

Chur

Aula HTW, Pulvermühlestrasse 57

London_0907 007

 

 

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Autoritärer Ausnahmezustand

Die BBC-TV-Serie «Sherlock» setzte 2010 mit ihrer ersten Staffel neue Massstäbe atemraubender Krimiunterhaltung. Mit der vierten Staffel ist sie bei der nervtötenden Selbstparodie gelandet.

Als der müssiggängerische Privatmann Sherlock Holmes 1887 erstmals einen Fall löste, war er von seinem Schöpfer Arthur Conan Doyle als Verkörperung des wissenschaftlichen Fortschritts seiner Zeit angelegt: Er wertete Fingerabdrücke aus, analysierte die Zusammensetzung von Giften und die Herkunft von Stofffasern am Tatort und verband diese empirische Induktion mit der Deduktion logischer Schlüsse.

Als die BBC 2010 unter dem Titel «Sherlock» wieder mal eine Verfilmung wagte, führte sie den Viktorianer ins zeitgenössische London über. Mit allen technischen Mitteln wurden eine Topografie des Denkens entworfen und Denkprozesse veranschaulicht, die Assoziationsketten glitten computeranimiert über den Bildschirm, in die dritte Dimension hinein verlängert, und man hörte die Synapsen klicken. Das war grandios. Mit der zweiten Staffel 2012 wurde Sherlock Holmes zusehends psychologisiert. Schon Conan Doyle hatte entsprechende Spuren gelegt, die Kokainsucht, welche die im Tiefsten lauernde Depression betäubt, die unglückseligen Beziehungen zu Frauen und der homoerotische Klang, den die Beziehung zu seinem Helfer Dr. John Watson anschlägt. «Sherlock» umkreiste zunehmend den genialen Denker als Soziopathen – auch «The Big Bang Theory» zieht dadurch ihren, mittlerweile recht gleichförmigen, Witz. Es gibt eine besonders hübsche Episode, als Sherlock (Benedict Cumberbatch) die Hochzeitsrede für John Watson (Martin Freeman) halten soll, wobei sich sein Bemühen, sozialen Konventionen zu genügen, mit wirklicher Affektion und dem Versuch, parallel einen kniffligen Kriminalfall zu lösen, verzwirnt.

Zugleich mit der Psychologisierung der Hauptfigur wurden die Nebenfiguren aufgewertet. John Watson erhielt ein eigenes Profil und erfand, metareflexiv, als Blogschreiber die öffentliche Figur «Sherlock». Mycroft Holmes, der ältere Bruder von Sherlock, der bei Conan Coyle nur sehr gelegentlich auftaucht, erschien jetzt regelmässig als ebenso geheimnisvolle wie mächtige graue Eminenz der britischen Regierung und arrogantes Spiegelbild seines Bruders – wohl gefördert durch die Tatsache, dass er von einem der Drehbuchschreiber (Mark Gatiss) gespielt wird. Hinzu kam schliesslich Mary Morstan (Amanda Abbington), jene Frau, die Watson heiratet und die bei Conan Doyle zweimal ganz beiläufig erwähnt wird. In «Sherlock» stellt sich heraus, dass es sich dabei um eine vorgetäuschte Identität handelt, hinter der sich eine frühere Geheimdienstagentin verbirgt, wobei diese Ermächtigung einer Frauenfigur eher alibimässig wirkt.

Wie hältst Du es mit dem Bösen?

Ohne VerbrecherInnen keine Krimis. Das Böse ist freilich immer ein Problem. Zuerst gattungsimmanent: Der Verbrecher oder die Verbrecherin sollen gewieft sein, clever, ressourcenreich, damit der Detektiv ins umso bessere Licht gerückt werden kann, und doch müssen sie letztlich überführt werden. Conan Doyle entwarf einst Moriarty, einen Überbösewicht, der die ganze britische Gesellschaft zu unterwandern und zu gefährden droht. Das war nie sehr realistisch, sondern als spielerischer Kampf beinahe ebenbürtiger Intelligenzen und Verwandlungskünstler inszeniert. Die gesellschaftlichen Zustände schlagen trotzdem durch, als personalisierte Angst vor dem sozialen Umsturz. «Sherlock» machte den Bösewicht zu Beginn formal interessant, indem dessen Machtmittel durch visuell umgesetzte Drogenräusche und mediale Überwältigungen erweitert wurden. Als Figur aber agierte Moriarty (Andrew Scott) zusehends manieriert.

Für die vierte, Anfang Jahr von der BBC ausgestrahlte Staffel ist noch eins drauf gesetzt worden, und so entspringt – halber spoiler alert! – der Kindheit oder Jugend von Sherlock etwas ganz Böses, das er vollkommen verdrängt hat. Dieses Böse ist wirklich böse, ja, es ist das eigentlich BÖSE, und deshalb ist es vom älteren Bruder Mycroft, der immer viel cleverer und lebenstüchtiger als Sherlock gewesen ist, auf einer Hochsicherheitsinsel weggesperrt worden.

Womit «Sherlock» jede Prätention auf Plausibilität aufgibt. Es stellt sich nämlich heraus, dass sich das BÖSE mal aus diesem Hochsicherheitstrakt befreit hat, um sowohl Sherlock wie Watson in Verkleidung zu begegnen und hinters Licht zu führen, nur um sich dann wieder lammfromm in die Isolationshaft zurückbegeben. Dort besuchen ES Sherlock, Mycroft und Watson. Doch die drei werden ihrerseits gefangen gesetzt. Beiläufig stellt sich heraus, dass das BÖSE auch Moriarty zu seinen letzten Taten angestiftet hat.

Ausnahmezustand

Kriminalfälle reichen den Machern von «Sherlock» längst nicht mehr. Mit der abschliessenden Episode geht es ihnen um Höheres, oder Tieferes, um «Philosophie» und «Ethik» und letzte Fragen. Zu diesem Zweck werden Sherlock, Watson und Mycroft vom BÖSEN verschiedenen mörderischen Tests ausgesetzt. Also zum Beispiel folgendem Dilemma: Mycroft und Watson müssen untereinander aushandeln, wer den ebenfalls gefangen gehaltenen Gefängnisdirektor tötet, andernfalls stirbt die Frau des Gefängnisdirektors. Keiner der beiden will die Tötung auf sich nehmen, worauf sich der Gefängnisdirektor selbst tötet – aber seine Frau wird danach trotzdem liquidiert.

In einer zweiten tödlichen Prüfung muss Holmes unter Zeitdruck herausfinden, wer von drei Brüdern einen Menschen getötet hat, damit dieser seinerseits der tödlichen Strafe zugeführt werden kann. Sherlock löst den Fall, trotzdem werden alle drei Brüder in den Tod gestürzt. Und dann muss sich Sherlock natürlich auch noch entscheiden, ob er Mycroft oder John opfert, um den je anderen und sich zu retten. Inszeniert wird das als zynisches Spiel mit der Provokation, und eingerahmt ist es in eine Versuchsanordnung, die an das Stück «Terror» von Ferdinand von Schirrach erinnert, da Sherlock, neben allem anderen Ungemach der ihm gestellten Aufgaben und moralischen Dilemmata, immer wieder von einem Kind um Hilfe angefleht wird, das in einem Flugzeug voller ohnmächtig gewordener Menschen sitzt und damit auf eine Stadt zu stürzen droht.

Ähnliches Foto

Diese konstruierten Extremsituationen beanspruchen, grundlegende Wahrheiten zu enthüllen. Steht uns der Bruder oder der Freund näher? Ist der Mensch dem Menschen ein Wolf, geht es ums Survival of the Fittest, oder sind wir doch Menschenfreunde und besitzen ein altruistisches Gen? Aber Entscheidungen in Ausnahmesituationen verdeutlichen nichts, sondern verzerren. Die Zuspitzung aufs Entweder-Oder kürzt differenzierte Erwägungen ab. Deshalb wird der Ausnahmezustand vor allem von rechts beschworen (obwohl er leider auch linke Anhänger hat): Wären Sie immer noch ein Pazifist und Gutmensch, wenn ihre Liebste gewalttätig bedroht würde?

Solche Versuchsanordnungen favorisieren autoritäre Prinzipien. Sie orientieren auf den Einzelnen, aufs entscheidungsfreudige Führerprinzip. Entscheidungen im Ausnahmezustand sind nicht anfechtbar. Eine lebensorientierte Politik und Ethik aber besteht darin, es nicht zu solchen Extremsituationen kommen zu lassen.

«Sherlock» wird gegen Schluss dann doch noch von ein paar liberalen Skrupeln angekränkelt und unterzieht das BÖSE einer vulgären Psychoanalyse. Denn dieses ist seinerseits beschädigt und hat mit all seinen bösen Taten nur die bislang verwehrt gebliebene menschliche Nähe gesucht. Aber damit ist der autoritäre Schund dieser letzten «Sherlock»-Episode nicht mehr zu retten.

Stefan Howald

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#losertrump

What does a megalomaniac narcissist fear most? Yes, to lose. So we are introducing the new global hashtag: #losertrump. It will be a regular feature in these pages.

 

Tough on China? At the first telephone call, #losertrump loses his mettle and accommodates the new superpower with a one-nation-policy.

Another defeat. #losertrump loses the second court case. See you in court again? Sure, buddy, and you will get another beating.

Too dumb to understand the law? Court explains to #losertrump that his presidential order was very badly prepared.

Afraid of Putin? #losertrump signals to end the sanctions against Russia.

Not very bright people around him. #losertrump has to «counsel» his most trusted counsel Kellyanne Conway.

Flogging a dead horse? #losertrump needs buddies to flog his daughter Ivanka’s stuff.

Uncool, or what. #losertrump wears a bathrobe and can’t even admit it.

Defeated. #losertrump loses his first court case – many to follow.

Billionaire? Humbug! #losertrump still hasn’t published his tax returns. Maybe some of his billions are just a figment of his imagination.

Afraid to walk alone? #losertrump has to take the hand of matron Theresa May when he meets her fierce gaze.

Afraid of strangers? #losertrump has to allay his fears and hide behind a huge wall.

Not very popular. #losertrump has been snubbed by the Mexican president who cancelled a meeting with him.

Popular? #losertrump lost the contest of the audiences at the most recent inaugurations by half a million.

Popular mandate? Bah! #losertrump lost the popular vote by three million votes.

 

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Anarchie in D.

Am Sonntagnachmittag im formidablen Kulturzentrum philosophe in D. wurde wieder einmal der schöne Brauch des Büchertauschs gepflegt: also mitzubringen, was man selbst nicht mehr möchte und doch anderen dienen könnte, und mitzunehmen, was einen so gelüstet. Die Auswahl reichte von vielfältiger Belletristik über Kochbücher bis zu, ja, Politliteratur. Zumeist gut gepflegte neue Bücher. Dazwischen dann allerdings doch ein paar ältere Ausgaben, darunter von Erich Mühsam: «Publizistik. Unpolitische Erinnerungen». Aus dem Verlag Volk und Welt in der untergegangenen DDR, die zweite Auflage von 1985, nach der ersten Ausgabe von 1978. Mühsam war schon früher in der DDR wieder aufgelegt worden, was doch für einen unermüdlichen Anarchisten einigermassen erstaunlich ist; aber er wurde wohl, wenn es auch zynisch klingt, durch seine Ermordung 1934 im KZ Oranienburg für würdig befunden, in die kommunistische Tradition integriert zu werden.

Jedenfalls, im Buch, schon etwas zerlesen, mit wenigen Anstreichungen, fanden sich ein paar eingesteckte Beilagen: eine Einladung zu einer «Taufkreisefete» aus dem Jahr 1986, eine Einkaufsliste («Milch, Butter … Malzkaffee»), und dann eine ältere, leicht zerfledderte «Zahlkarte». Offensichtlich ein Einzahlungsschein für das Postscheckamt Berlin-Britz. Ausgestellt für «Herrn Erich Mühsam». Wie, was? Ein Originalrelikt (eine Reliquie)? Tatsächlich, das Verzeichnis der Studienbibliothek des verstorbenen Theo Pinkus in der Zürcher Zentralbibliothek verzeichnet eine gleichartige Zahlkarte, beiliegend dem «Fanal», der anarchistischen Monatsschrift, die Mühsam zwischen 1926 und 1931 in Berlin herausgab und verlegte und weitgehend schrieb. Was zeigt, dass ein Fanal selbst das beschauliche D. erreichen kann.

Zahlkarte_Mühsam

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