Die Zumutungen der Politik

George Orwell in neuen Texten und Übersetzungen, mit ein paar Gedanken zu seiner Aktualität.

Politik und Literatur – das ist ein widerstreitendes Verhältnis. Der englische Schriftsteller Ian McEwan hat es im November in der Orwell Memorial Lecture für die Orwell Foundation behandelt, die in der Zeitschrift «New Statesman» abgedruckt worden ist. George Orwell gilt ja als politischer Schriftsteller schlechthin. Er selbst hat sich häufig, und erstaunlich kritisch, mit der Frage engagierter Literatur auseinandergesetzt, ausführlich im Essay «Inside the Whale» von 1940.

Darin nimmt er als Ausgangspunkt das Werk von Henry Miller. Orwell, als Schriftsteller noch wenig bekannt, hatte Miller 1936 in Paris getroffen, als er auf dem Weg nach Spanien war, um sich den Internationalen Brigaden anzuschliessen, während Miller gerade eben mit dem Skandalerfolg von «Wendekreis des Krebses» seine privaten Fluchten unter anderem in den Sex dokumentiert hatte. So scheint die beiden Autoren nur wenig zu verbinden. Orwell aber gebrauchte Miller in seinem Essay 1940 als Folie, um zuerst einmal mit der politisch engagierten Literatur seiner Generation – W.H. Auden, Stephen Spender, Louis MacNeice – abzurechnen. Für die hat er nichts als Hohn übrig, da sie sich und ihre Literatur im Dienste politischer Ansprüche prostituiert habe. Erst gegen Schluss des Essays taucht die titelgebende Metapher des Wals auf, in einer grotesken Beschreibung dessen, was gemeinhin mit einer anderen Metapher als Leben im Elfenbeinturm bezeichnet wird. «Der Bauch eines Wales ist eine Höhle, gross genug, um einen Erwachsenen aufzunehmen. Man ist dort in einem ausgepolsterten Raum, der genau passt, mit einer dicken Speckschicht zwischen sich und der Aussenwelt. So hat man die Möglichkeit, sich mit absoluter Gleichgültigkeit gegenüber allem, was immer draussen vorgeht, zu verhalten.» 1

Orwell entwirft mit diesem Bild die Dichotomie von öffentlichem Engagement und privatem Rückzug, von Literatur, die sich auf die aktuelle politische Situation einlässt versus jene, die sich auf die subjektive Befindlichkeit konzentriert. Apodiktisch, und einigermassen verblüffend,zieht er sodann mit Bezug zu Henry Miller den Schluss: «Meiner Meinung nach haben wir es mit dem einzigen wertvollen Erzähler zu tun, der in den letzten Jahren in der englischsprechenden Welt erschienen ist.»2 Nun führt die deutsche Übersetzung, die Miller als den «einzigen wertvollen Erzähler» bezeichnet, in die Irre. Das englische Original nennt Miller «the only imaginative prose writer of the slightest value»,3 und Orwell verbindet damit explizit kein ästhetisches Urteil. Miller sei «merely symptomatic», weil er als Einziger auf die aktuelle Situation angemessen – nämlich «imaginative» – reagiere. Und diese Situation beurteilt Orwell, im Rahmen seiner damals verdüsterten Einschätzung der Weltlage, als hoffnungslos: Alle linken und liberalen Politiken und jedes politische Engagement seien gescheitert, die Welt laufe unaufhaltsam auf umfassende totalitäre Gesellschaften zu. Miller kontere diese Vergeblichkeit der Politik mit dem einzigen Mittel das übriggeblieben sei: indem er die Politik ignoriere.


Innerhalb wie ausserhalb des Wals

Ian McEwan will sich in seiner Lecture mit diesem trostlosen Verdikt nicht ganz abfinden. Er hat 2019 mit «The Cockroach» («Die Kakerlake») einen Brexit-Roman geschrieben, der nicht sehr gnädig aufgenommen worden ist. So ist sein Ringen um den politischen Aspekt der Literatur auch Selbstvergewisserung. Aber er will vor allem zeigen, dass Orwell selbst wechselnde und widersprüchliche Positionen einnahm, doch womöglich eine Lösung für das Dilemma gefunden hat.

Dazu greift McEwan vorerst auf Orwells Tagebücher zurück. Dieser hat während des Kriegs zwei Notizbücher parallel geführt. In einem notierte er alltägliche Ereignisse und Begegnungen ebenso wie poetologische Reflexionen, das andere verstand er explizit als Kriegstagebuch. Beide Tagebücher sind im Englischen vom langjährigen Orwell-Herausgeber Peter Davison schon 2009 in einer Ausgabe mustergültig ineinander verschränkt worden. McEwan zitiert daraus beispielhaft die Einträge von Anfang September. Am 3. September 1939 analysiert er die Kriegserklärung Grossbritanniens an Nazi-Deutschland. Zwei Tage später listet er die Ernte in seinem Garten bezüglich Qualität wie Quantität minutiös auf und mutmasst über die Wetteraussichten. McEwan sieht darin einen Ansatz zur Auflösung oder zumindest zur Bewältigung der unausweichlichen Dichotomie: «Diese beiden Tagebucheinträge demonstrieren eine von Orwells Leistungen – sowohl innerhalb wie ausserhalb des Wals zu leben und sich zu entwickeln.»4

Ein weiteres Argument lässt sich aus Orwells literarischem Werk beziehen. Der politische Gehalt von Orwells späten und erfolgreichsten Büchern «Animal Farm» (1945) und «Nineteen Eighty-Four» (1949) ist ja augenfällig. Letzteres hat in den letzten Jahren angesichts der politischen Situation eine neue Aktualität erhalten. Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten Ende 2016 geriet der Roman plötzlich wieder auf die Bestsellerlisten. War nicht durch eine schamlose Propaganda in Rundfunk, Fernsehen und Neuen Medien ein Paralleluniversum geschaffen worden, das jetzt als neue Realität gesetzt werden sollte? Hatte nicht die Lüge triumphiert? Im ohnmächtigen Protest wurde Trump zum Beispiel in eine Szene aus dem 1984 gedrehten Film «1984» montiert, als alles überwachender Big Brother, der verlangt, wir sollten glauben, dass zwei plus zwei fünf ergibt. Das war ein einprägsames Bild. Aber auch eine zwiespältige, womöglich hilflose Form der Kritik: Donald Trump war und ist vermutlich stolz darauf, dass er mit dem allmächtigen Big Brother gleichgesetzt wird.

Nun ist der Einsatz von Propaganda und Lüge historisch nichts Neues. Beim unbestechlichen Franz Kafka findet sich das epigrammatisch. In «Der Process», 1915 veröffentlicht, erklärt der Geistliche im Dom dem fragenden Bankprokuristen Josef K.: «‹man muss nicht alles für wahr halten, man muss es nur für notwendig halten.› ‹Trübselige Meinung›, sagte K. ‹Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.›»5 Das postfaktische Zeitalter ist da schon vorformuliert.

Dagegen wird gerade Orwell als Heilmittel empfohlen. Kurz nach dem Amtsantritt von Donald Trump erschien in England ein grafisch schön gestalteter Band mit dem ebenso einfachen wie programmatischen Titel «Orwell on Truth».6 Er versammelt Passagen aus Essays und Romanen, in denen Orwell den Kampf gegen die Verschleierung der Wahrheit propagierte. Seine Worte seien, heisst es einleitend, «eine perfekte Verteidigung gegen unsere Welt voller Fake News und Verwirrung jenseits der Wahrheit»7. Tatsächlich spiesst Orwell im publizistischen Handgemenge Humbug, Euphemismen und Ausflüchte erbarmungslos und erfolgreich auf. Grundsätzlich ist sein Wahrheitsbegriff einfach. Es gibt die Wahrheit, und durch gesunden Menschenverstand, durch Anstand und Ehrlichkeit lässt sie sich durch alle propagandistischen Verschleierungen und Lügen hindurch erkennen. Das macht Orwell anziehend, als Gestalt und als Haltung. Es reicht aber nicht immer.

Über Nationalismus (nicht nur)

Im deutschsprachigen Raum wird Orwell seit Jahrzehnten vom Diogenes-Verlag betreut. Der hat alle eigenständigen Orwell-Werke in Einzelbänden vorgelegt, ausser dem erfolgreichsten und lukrativsten Buch, «Nineteen Eighty-Four», an dem Ullstein die Übertragungsrechte besass. Innerhalb einer elfbändigen Werkausgabe hat Diogenes drei Sammelbände mit Essays und politisch-polemischen Artikeln publiziert. Dennoch gibt es weiterhin auf deutsch Unveröffentlichtes. Anfang 2020 ist bei dtv ein erstmals ins Deutsche übertragener Text von Orwell erschienen: «Über Nationalismus» («Notes on Nationalism»), ein längerer Zeitschriftentext aus dem Jahr 1945.8 Der schmale Band liegt bereits in der dritten Auflage vor. Wobei für einmal schon der englische Originaltitel in die Irre führt. Orwell handelt nicht (nur) vom Nationalismus, wie er sich seit dem 19. Jahrhundert mit dem Nationalstaat herausgebildet hat. Er versteht darunter vielmehr jedes geschlossene Gedankengebäude mit Abschliessungs- und Ausgrenzungscharakter, vom Kommunismus über den Katholizismus bis zum Konservatismus.

Im Zeichen der Totalitarismusthese untersucht er «die Geisteshaltungen, die allen Formen von Nationalismus gemeinsam sind».9 Die Terminologie mag irritieren, und sie verstellt die Analyse des historischen und akuten Nationalismus, wie Gustav Seibt in einer Besprechung in der «Süddeutschen» moniert hat.10 Zu dem, was man als Habitus, als Mentalität, als Ideologie bezeichnen könnte, liefert der Essay aber anregende Ideen. Drei Kriterien charakterisieren für Orwell diese Geisteshaltung: Obsession, Instabilität und Gleichgültigkeit gegenüber der Realität. Das nationalistische Denken beschäftige sich erstens mit kaum etwas anderem als damit, die Überlegenheit der eigenen Gruppe zu behaupten. Der Inhalt der Weltanschauung könne aber, zweitens, instabil bzw. beliebig sein, was den scheinbar bruchlosen Übergang von einer Weltanschauung zu einer anderen erkläre. Und Nationalisten seien drittens bereit, im Dienste der eigenen Sache unliebsame Tatsachen zu übersehen bzw. umzuinterpretieren, indem sie sich von anderen Teilen der Welt abschotteten. Ja, das entspricht der zeitgenössischen Terminologie von der Blase.

Orwell wettert vor allem gegen die verführbare «Intelligenzia» – er hat immer ein wenig damit kokettiert, bloss ein Mann des einfachen Volkes zu sei. Der Soziologe und «Kursbuch»-Herausgeber Armin Nassehi will diese Analyse in einem Nachwort aktuell nutzbar machen, vor allem gegen rechts und – als Reverenz gegenüber dem Engländer Orwell – gegen den Brexit, aber auch gegen «militante Formen des Klimaprotests».11 Allerdings läuft Orwell selbst in eine Aporie hinein: Der Nationalist ist seines Erachtens unbelehrbar – doch den Intellektuellen, die dafür besonders anfällig seien, empfiehlt er als Abhilfe einzig, selbstkritisch die eigenen Vorurteile zu befragen.

So zeigt der Essay Orwells Stärken und Schwächen. Seine Ideologiekritik ist anschaulich, detailreich, bleibt aber phänomenologisch, argumentiert vom Resultat her und zeigt nicht, wie eine Ideologie entsteht, wie sich verschiedene Interessen, Antriebe, Motive erst zu einem handlungsanleitenden Alltagsverstand im Sinne von Antonio Gramsci verbinden.

Aus dem zerstörten Deutschland

Anfang 2021 hat der kleine Comino-Verlag eine Neuübersetzung von «Down and Out in Paris and London» vorgelegt.12 Orwells erstes, Anfang 1933 erschienenes Buch fristet im Deutschen eher ein Schattendasein. Die Textüberlieferung ist komplex. Gegenüber der eingereichten Fassung verlangte der Verleger Änderungen insbesondere von sexuell unterlegten Passagen, die von der damals noch mächtigen Zensurbehörde nicht akzeptiert würden. Orwell übernahm die meisten, aber nicht alle; später schlug er aufgrund einer von ihm sehr geschätzten französischen Übersetzung des Buchs aus dem Jahr 1935 weitere Änderungen vor. Insbesondere geht es dabei um den Gebrauch französischer Wörter und des Pariser Argot. Der Übersetzer der neuen Version, Peter Hillebrand, versucht sich gegenüber der ersten deutschen Übertragung entsprechend an einer kräftigeren Sprache, die näher am Alltag bleibt, und versieht den Band zudem mit hilfreichen Erläuterungen. Ferner sind das Vorwort des rumänischen Schriftstellers Panait Istrati sowie eine kurze «Einleitung» von Orwell aus der ersten französischen Ausgabe abgedruckt.

Im Herbst 2021 hat dann Comino – und zwar auf Englisch – unter dem Titel «Ruins» Berichte vorgelegt, die Orwell als Kriegskorrespondent zwischen Februar und Juni 1945 aus Frankreich, Deutschland und Österreich geliefert hatte. 13

Dieser Band nun enthält einen Text, der selbst im Englischen nach dem Erstdruck von 1945 nie mehr nachgedruckt worden ist, nicht einmal in der zwanzigbändigen Gesamtausgabe. Entsprechend sind im Online-Magazin der Orwell Society das Verdienst und der Mut des kleinen deutschen Verlags anerkannt worden. Fast gleichzeitig hat der Verlag C.H. Beck ein Buch mit Orwell-Texten unter dem Titel «Reise durch Ruinen» publiziert.14 Offenbar sind die beiden Ausgaben unabhängig von einander entstanden. Bemerkenswerterweise haben sie praktisch das gleiche Titelbild, eine Aufnahme über das kriegszerstörte Köln aus einer vom gleichen Kamerastandpunkt aus aufgenommenen Serie, wobei C. H. Beck das Titelbild schon beinahe schönfärberisch einfärbt.

Von der Zusammenstellung her gibt es etliche Unterschiede. «Reise durch Ruinen» trägt den Untertitel «Reportagen aus Deutschland und Österreich 1945», und der Band verzichtet konsequenterweise auf Orwells Berichte «aus Frankreich. Das mag unter verlegerischem Aspekt Sinn ergeben, um den Band auf den deutschen Markt zu fokussieren. Aber für die Berichte Orwells aus Deutschland bleiben diejenigen aus Frankreich ein wichtiges Gegenstück, weil die Momentaufnahmen aus Paris Motive für die französischen Vorstellungen zur Nachkriegsordnung plausibler machen.

Orwell weilte als Kriegskorrespondent für den Londoner «Observer» und die «Manchester Evening News» nicht direkt an der Front, reiste aber knapp hinter den kämpfenden Truppen von Köln via Nürnberg und Stuttgart nach Wien, wo die Überreste der deutschen Armee in Norditalien eintrafen, die eben gerade kapituliert hatte. Seine Berichte sind schnörkellos, klar, beschreiben die Zerstörungen der deutschen Städte und Infrastruktur. Immer geht er auf die Menschen zu, schildert die Gemütslage alliierter Soldaten und deutscher ZivilistInnen, die katastrophale Situation befreiter russischer Kriegsgefangener. Zugleich behandelt er grundsätzliche Fragen. So belegt er, wie die meisten Deutschen das Geschehene und das Unrechtsregime bereits zu verdrängen beginnen; er beschreibt, wie die neuen Militärverwaltungen funktionieren, fragt nach dem Schicksal der Millionen von Flüchtlingen – ehemaligen ausländischen ZwangsarbeiterInnen ebenso wie Deutschen –, und erörtert mögliche Nachkriegsordnungen. Die Comino-Ausgabe enthält zudem drei zusammenfassende Berichte für amerikanische Zeitungen und den wichtigen Aufsatz «Revenge is sour» von 1945. In ihm rät Orwell von einer Rachejustiz, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg von den Siegermächten vollzogen wurde, ab, meint zugleich am konkreten Beispiel, wie, durchaus verständliche, persönliche Rache ebenfalls keine Lösung für die erlittenen Traumata darstelle. Die deutsche Ausgabe bei C.H. Beck ihrerseits schliesst neben «Rache ist sauer» zwei frühere Rezensionen zu Hitlers «Mein Kampf» und eine Aufsatzsammlung von Thomas Mann ein sowie einen ebenfalls grundsätzlichen Artikel «Die Weltlage xxx» von 1945. In ihm skizziert Orwell die kommende Aufteilung der Welt in Einflusszonen – das weist voraus auf «Nineteen Eighty-Four», in dem sich eine solche Aufteilung in Ozeanien mitsamt dem Landefeld 1, Eurasien und Ostasien bereits vollzogen hat.

Ausgaben

Womit wir beim Zentralwerk von Orwell angekommen wären. Zuerst einmal bei dessen deutscher Verlagsgeschichte.

«Nineteen Eighty-Four», 1949 erschienen, wurde bereits 1950 von Kurt Wagenseil für den Diana Verlag in Zürich übersetzt.

Der Verlag verdient einen eigenen kleinen Abschnitt. 1935 gründeten Simon und Sophie Menzel in Zürich den Humanitas Verlag, in dem Autoren, die in Deutschland nicht mehr erscheinen konnten, publiziert werden sollten, unter ihnen Robert Musil, Ernst Weiss und Friedrich Torberg. Von Musil erschien zum Beispiel 1936 der «Nachlass zu Lebzeiten», seine ebenso selbstironisch wie bitter betitelte letzte eigenständige Publikation. Nachdem der Humanitas Verlag ihrer Kontrolle entglitten war, gründeten die Menzels 1947 den Diana Verlag. Er profilierte sich bald mit Übersetzungen englischsprachiger Literatur, darunter Orwells «Nineteen Eighty -Four». In einer ironischen Fussnote hat Kurt Wagenseil 1953 auch den von Orwell einst so gelobten «Wendekreis des Krebes» von Henry Miller übersetzt; ja, er wurde der Übersetzer des Gesamtwerks von Henry Miller, neben einer Unzahl anderer Titel. Der Diana Verlag existiert dem Namen nach noch heute, gehört allerdings dem internationalen Konglomerat Penguin Random House und produziert nicht sehr gehobene Unterhaltungsliteratur.

Die Ausgabe des Diana Verlags von 1950 betitelt das Werk auf dem Umschlag und dem Buchrücken als «1984», führt aber im Vorsatzblatt die korrekte Übersetzung des Originals, nämlich das ausgeschriebene «Neunzehnhundertvierundachtzig». Wagenseils Übersetzung ist durchaus solide und brauchbar. Dann, 1981, wurde das Buch vom bewährten Michael Walter für Ullstein neu übertragen und erhielt dabei den Kurztitel «1984», der sich seither im Deutschen durchgesetzt hat. Jahrzehntelang blieb diese Übersetzung massgeblich. Wagenseil hatte einen der berühmtesten Sätze der politischen Literatur noch personalisiert mit «Der Grosse Bruder sieht dich an» übersetzt, während Walter den allumfassenden Überwachungsanspruch verschärfte: «Der Grosse Bruder sieht dich». Mit der Walter-Übersetzung wurden die neuen Erziehungsmittel der Diktatur nicht mehr als «Neusprache» und «Zwiegedanken», sondern als «Neusprech» und «Doppeldenk» sprichwörtlich.

Dann, Anfang 2021, erschienen auf einen Schlag acht neue deutsche Übersetzungen von «Nineteen Eighty-Four». Ja, acht.

Das hatte ein banal kommerzielles Motiv: Das Copyright für die Werke von Orwell lief siebzig Jahre nach dessen Tod ab, also verschafften sich viele deutsche Verlage ein neues Copyright auf eine eigenständige Übersetzung.

Um die Augen kam dabei kaum jemand herum. Mindestens ein Auge blickt einen von fast allen Buchumschlägen der neuen Ausgaben an. Augen repräsentieren ja auch ein zentrales Motto des Buchs: «Big Brother is watching you». Darin steckt ein doppeltes Motiv. Erstens der Mensch, der Grosse Führer, der alle überblickt und überwacht. Zweitens das technologische Mittel, der Teleschirm, der diesen Blick erst ermöglicht.

Orwells Buch handelt von Herrschaftstechniken. Das macht es zeitlos aktuell. Von der globalen Telefonüberwachung des NSA über Gesichtserkennungssoftware in West und Ost bis zu Zwangslager für UigurInnen. Dabei gab und gibt es Wellen zusätzlicher Popularität. Während den Anfängen des Kalten Kriegs. Aufs titelgebende Jahr 1984 hin. Wenn sich eine neue Entwicklung wie die schrankenlose Überwachung durch CCTV zeigt. Oder wenn eine neue politische Figur auftaucht: Donald Trump als manipulativer und lügnerischer Big Brother.

Das Schlimmste

Diese flottierende Bedeutung hängt auch damit zusammen, dass Orwell in seiner fiktiven Diktatur verschiedene Herrschaftstechniken am Werk zeigt. Zuerst und am spektakulärsten die technologische: Das Fernsehen war noch kaum erfunden, als der Roman schon eine Kamera in alle Wohnzimmer installierte, die jede Bewegung und jeden Ton aufzeichnete – oder fast jede, denn in toten Winkeln und im durch Musik übertönten Flüstern konnte sich vorerst noch Widerstand entwickeln. Aber Technologien sind selbst in Science-Fiction-Romanen eher langweilig. Im Übrigen garantieren Orwells Teleschirme bloss den ersten Schritt: die Überwachung. Der zweite, wichtigere Schritt ist dann die Umerziehung. Dazu muss die bisherige Realitätsauffassung, ja, das Wahrheitsverständnis zerstört werden. Der Parteifunktionär O´Brien, der den abtrünnig gewordenen Winston Smith zum wahren Glauben zurückführen soll, veranschaulicht das am handfesten Beispiel. Wie viele Finger, fragt er, siehst du, wenn ich zwei hochrecke und dann nochmals zwei: Nein, nicht vier, sondern fünf. Zwei plus zwei ist fünf, ist das Mantra derjenigen, die ihre eigene Realität als die wahre durchsetzen wollen.

Solche Umerziehung soll durch Repression und zugleich durch ideologische Bearbeitung erreicht werden. Den historischen Hintergrund dafür lieferten Faschismus und Stalinismus.

Ja, es kommen Stiefel vor, mit denen Abweichlern das Gesicht zertreten wird, und Rizinusöl, das nicht nur den Magen, sondern auch die Selbstachtung zerstört. Ja, es wird mit Elektroschocks gefoltert. Wenn das nicht reicht, weiss der Grosse Bruder um das Schlimmste, das jeder einzelne Mensch fürchtet. Bei Winston Smith sind es Ratten, die ihm drohen, das Gesicht zu zerfressen. Das hatte einen lebensgeschichtlichen Hintergrund, Orwell lernte Ratten im Schützengraben im Spanischen Bürgerkrieg hassen. Die Drohung mit dem Schlimmsten führt zum Verrat an dem, was einem als Teuerstes gilt, bei Smith der Geliebten.

Mindestens so wichtig wie diese gewalttätigen Mittel sind freilich die ideologischen Mechanismen, der Kampf um die Köpfe. Fürs ganze Volk dient dazu die Ablenkung auf Feinde, sei es durch einen immerwährenden Krieg gegen aussen, sei es durch den Krieg gegen die Feinde im Innern: Beides wird in kollektiven Hass-Orgien gebündelt. Am Einzelnen, an Winston Smith wird mit langen Gesprächen gearbeitet, die ihn dialektisch oder sophistisch davon überzeugen sollen, dass die Partei immer recht hat.

Gewalttätige Repression. Technologische Überwachung. Ideologische Unterwerfung. Diesen drei Herrschaftstechniken entsprachen Phasen der Rezeption von «1984». Zuerst die einseitige Instrumentalisierung im Zeichen des Antikommunismus. Dann die Technikkritik anlässlich von Volkszählung und neuen Medien. Schliesslich die Ideologiekritik, die sich auch an so etwas wie am «Konsumterror» abarbeitete.

Selbstunterwerfung

Doch die Umerziehung reicht dem Regime nicht: Es geht ihm um Selbstunterwerfung des Einzelnen. «Wenn du dich uns schliesslich fügst, muss es aus freiem Willen geschehen», erklärt der Folterer. «Wir bekehren ihn [den Häretiker], wir ergründen sein Innerstes, wir formen ihn um. Wir brennen ihm alles Böse und jede Illusionen aus; wir bringen ihn auf unsere Seite, nicht dem Anschein nach, sondern aufrichtig, mit Herz und Seele. Wir machen ihn zu einem von uns, bevor wir ihn töten.»15

Wie sieht es heute mit Herz und Seele aus? Bereits 1999 wurde im holländischen Fernsehen erstmals die Sendung «Big Brother» ausgestrahlt, die sich in Name und Prinzip explizit, wenn auch angeblich ironisch, auf Orwell berief. Sie hat in den vergangenen zwanzig Jahren Ableger in knapp siebzig Ländern gefunden. Das Format zeigt zwar Ermüdungserscheinungen, doch immer wieder spriessen neue Soziotope, in denen Menschen sich einem allgegenwärtigen öffentlichen Blick unterwerfen.

Dieser millionenfache fremde Blick wird nicht mehr als Überwachung empfunden, sondern die Selbstentblössung ist zum lockenden Ziel geworden. Selfies und Facebook inszenieren den freiwilligen Narzissmus als vermeintliche Selbstbestimmung. Die gerät allerdings ihrerseits in eine Dialektik der Herrschaft, da sie weiterhin von Algorithmen, überforderten KontrolleurInnen und der Unzuständigkeitserklärung von Mark Zuckerberg gesteuert wird.

Dagegen wird zuweilen ein wenig nostalgisch das Gegenbild beschworen. In dem kürzlich erschienenen Band «Orwell on Truth» wird ja der Heilige George als aufrechter, ehrlicher – auch spezifisch englischer – Denker präsentiert, der alle Phrasen und Lügen mit dem Schwert der Wahrheit durchhaut.

Gute Absichten

Aber reichen die gute Absicht und die reine Sprache gegen Fake News? Orwell ist da zuweilen schlauer als seine VerehrerInnen. Zuerst einmal geht es um die Analyse von Herrschaft und Lüge, bevor man sie treuherzig bekämpfen kann. Das Regime in «1984» ist ein vielfach gegliedertes, komplex austariertes Ganzes.

Wie wird das nun in den neuen Übersetzungen umgesetzt? Orwells Sprache ist nicht eben avantgardistisch oder avanciert, sondern zumeist Gebrauchsprosa, was sich durchaus funktional aus dem Gestus des ganzen Buchs begründen lässt. Da können sich die verschiedenen deutschen Versionen nicht stark unterscheiden, obwohl, oder weil, sich auch renommierte Leute dahinter gemacht haben: Gisbert Haefs (Manesse), Eike Schönfeld (Insel), Frank Heibert (Fischer), Lutz.W. Wolff (dtv), Jan Strümpel (Anaconda), Karsten Singelmann (rowohlt), Simone Fischer (Nikol), Holger Hanowell (Reclam).16

Eine einlässliche, detaillierte Studie zu den acht neuen Übersetzungen hat Julia Rosche vorgelegt.17 Nach differenzierten Vergleichungen schliesst sie: «Tatsächlich lesen sich diese Übersetzungen über weite Teile hinweg wie gut gekochter Einheitsbrei.»

Das stimmt als Gesamturteil. Dennoch lassen sich anhand zweier zentraler Felder doch unterschiedliche Geschmacksnuancen erkennen. Erstens bei den klassischen Slogans. Zweitens beim Konzept von «Neusprech».

Wie man die übergreifende Sentenz «Big Brother is watching you» übersetzt, zeigt ein jeweils unterschiedliches Verhältnis von Subjekt/Objekt, von Herr/Knecht, von Kontrolle/Fürsorge an. Wie man die Erörterungen zu «Neusprech» übersetzt, zeigt, wie Wirkungsmechanismen von Sprache und Ideologie eingeschätzt werden.

«Big Brother is watching you»: Das Schlagwort wird in fünf verschiedenen Versionen übersetzt, alles in Grossbuchstaben geschrieben. DER GROSSE BRUDER SIEHT DICH. (Michael Walter, Holger Hanowell, Simone Fischer) DER GROSSE BRUDER WACHT ÜBER DICH. (Jan Strümpel) DER GROSSE BRUDER HAT DICH IM BLICK. (Eike Schönfeld) BIG BROTHER IS WATCHING YOU. (Karsten Singelmann, Lutz-W. Wolff ) DER GROSSE BRUDER BEOBACHTET DICH. (Gisbert Haefs) Die englische Version zu belassen ist eine Verlegenheit, die sich als Besonderheit tarnt. «im Blick haben» tönt abschwächend bürokratisch; «sehen» ist sachlich nüchtern. «beobachten» enthält schon ein Gran der Bedrohung in sich. «Der Grosse Bruder wacht über dich» – das spielt mit der Doppeldeutigkeit und trifft die als Fürsorge getarnte Drohung wohl am besten. Julia Rosche allerdings findet diese Version «zu nett». Aber das ist gerade einer der Effekte, die Orwell darstellen will. Der grosse Bruder ist nicht nur Furcht einflössend, sondern auch Schutz gebend. Er ist der Seelsorger, der über einen wacht und zugleich bewacht.

Des Grossen Bruders zentrale Mittel in «1984», das bisherige Wahrheitsverständnis zu zerstören, sind Neusprech und Doppeldenk. Durch Doppeldenk sollen alle Worte das Gegenteil ausdrücken von dem, was sie bisher bedeuteten. Wenn also das Land Ozeanien, in dem der Grosse Bruder herrscht, Krieg führt, so bedeutet dies, dass er in Wahrheit für den Frieden arbeitet. Die drei Slogans der Partei heissen: «Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke». Da werden nicht ganz unübliche Euphemismen ins kräftige Paradox zugespitzt. So weit, so eingängig.

Mit Neusprech geht es dem Regime allerdings darum, «alle anderen Denkweisen unmöglich zu machen»18. Orwell hat etliche Mühe darauf verwendet, eine die Realität verformende Sprache auf eine linguistisch überzeugende Weise zu entwerfen; tatsächlich liebäugelte er eine Zeitlang ernsthaft mit Esperanto. Neben Euphemismen treten als grundlegende Techniken Zusammenziehung, Abkürzungen, Zusammensetzungen.

Dahinter steht das Verhältnis von Denken und Sprache. Das Wort «frei» konnte, heisst es, nicht mehr im alten politischen Sinn gebraucht werden, da es politische und geistige Freiheit ja nicht mehr gab. Eike Schönfeld macht daraus: da sie «nicht einmal mehr als Konzept existierten und daher zwangsläufig namenlos waren.» Andernorts wird aus dem «Konzept» eine «Idee», was nicht unrichtig, aber doch etwas luftiger ist. Wenn aber Gisbert Haefs und Lutz-W. Wolff übersetzen, «Begriffe» wie politische Freiheit müssten namenlos bleiben, dann sind der «Begriff» wie der «Name» der Sache auf der gleichen Ebene angesiedelt und wird die Aussage tendenziell tautologisch. Und wenn es bei Jan Strümpel heisst, es habe die politische Freiheit als Idee nicht mehr gegeben, und daher sei sie «zwangsläufig unbekannt» gewesen, dann geht durch das «zwangsläufig», nun wirklich tautologisch, die ganze realitätsbildende Funktion der Sprache verloren.

Das Ende

Zum Schluss des Romans scheint die einverständige Unterwerfung auch bei Winston Smith erreicht. Die Unterwerfungsszene beginnt damit, dass Winston Smith im Café, in dem er sich durch Schachspielen und Gin betäubt, die von der Partei geforderte Formel in den Staub auf der Tischplattte schreibt: «2 + 2 = 5».

Es gibt dazu eine kuriose textkritische Fussnote.19 Nachdem in der ursprünglichen Version diese Formel immer vorhanden war, tauchte in einer neuen offiziellen englischen Ausgabe von 1957 plötzlich folgende Zeile auf: «2 + 2 = ». Sie wurde noch bis mindestens 1987 nachgedruckt. Auch Michael Walter vermeldete 1984 in der deutschen Ausgabe: «2 + 2 = », was in der Taschenbuchausgabe des Ullstein-Verlags mindestens bis 1994 bestehen blieb. Sollte mit der Leerstelle beim Rechnungsresultat insgeheim eine weiter bestehende Oppositionshaltung oder zumeist ein Zweifel von Winston ausgedrückt werden? Nun, mittlerweile steht unzweifelhaft fest, dass es sich um einen Setzfehler handelte, und alle Versionen haben ihn seither korrigiert: «2 + 2 = 5». Als weltweit einziger Übersetzer hatte übrigens Kurt Wagenseil 1950 eine eigenständige Variante gefunden, die vielleicht ebenfalls eine subversive Botschaft transportieren sollte: «2 x 2 = 5».

Leider ist es nichts mit dem subversiven Widerstand, weder durch eine Leerstelle noch durch ein Multiplikationszeichen. Zweifellos ist die Unterwerfung von Winston Smith am Ende komplett: «Zwei gingeschwängerte Tränen rollten ihm über die Nasenflügel. Aber jetzt war alles gut, es war alles in Ordnung, der Kampf war zu Ende. Er hatte sich selbst überwunden. Er liebte den Grossen Bruder.»20

Das ist ein starkes, sinnfälliges Bild, aber es wird nicht ganz konsequent erreicht. Der letzte Anstoss zu dieser unterwürfigen Liebe ist nämlich die im Teleschirm verkündete Meldung, die Heere des Grossen Bruders hätten einen gloriosen Sieg errungen. Diese Bezugnahme auf die rituell verkündeten Siegesmeldungen wirkt wie aufgeklebt, reduziert die vielfältigen Unterwerfungstechniken des ganzen Romans unnötig auf eine.

Natürlich Fake News

Für die von Orwell beschriebenen Mechanismen von Neusprech und Neudenk lassen sich zahlreiche aktuelle Beispiele finden. Im England von Boris Johnson wollte die Regierung das Wort «Brexit» aus dem Wortschatz streichen, weil der Brexit angeblich geschafft, erledigt war, und als mit einem neuen Vorschlag internationales Recht gebrochen werden sollte, so diente er angeblich nur dazu, dieses internationale Recht souverän zu festigen.

Und dann haben wir natürlich die Fake News. Donald Trump hat behauptet, er habe den Begriff, wie so vieles in der Welt, geschaffen. Zweifellos hat er ihn enorm popularisiert und zwar als politischen Kampfbegriff von rechts. So erhob er den Vorwurf gegenüber seinen Gegnern in jedem zweiten seiner zahllosen Tweets. Eine Trump-Sprecherin setzte sogar den genuin Orwellschen Begriff «alternativer Fakten» in die Welt. In Deutschland spricht etwa die Alternative für Deutschland weiterhin davon, die Lügenpresse produziere nur Fake News. Auch unter den gegenwärtigen Corona-Skeptikerinnen und Impfgegnern wird den Medien, Politikerinnen und Wissenschaftlern öfters vorgeworfen, sie verbreiteten nur Fake News.

Auf der anderen Seite wissen wir, dass mittlerweile tatsächlich viele falsche Fakten gezielt produziert werden, Fake News im Wortsinn, sei es durch russische Websites oder US-amerikanische algorithmisierte bots, Computerprogramme, die eigenständig ihnen einmal gesetzte Aufgaben abarbeiten.

Mit dem Begriff werden also zwei sehr verschiedene Sachverhalte bezeichnet: Einerseits ist es die Produktion neuer fragwürdiger Informationen/Fakten, andererseits ein polemischer Vorwurf gegen vorhandene Informationen.

Allerdings kümmern sich Trump oder radikale AfD-Anhängerinnen oder Impfverächter kaum darum, ob sie selbst wahrheitsgetreue Fakten verbreiten oder ob sie lügen. Ihr Vorwurf der Fake News verwirrt ins Spiegelkabinett, und die Verschwörungstheorien drehen sich im Kreis der sich selbst bestätigenden, weil bislang angeblich «verleugneten» oder «alternativen» Fakten. Kritik prallt daran ab.

Dennoch: Wenn man das akzeptieren würde, müsste man mit Kafka seufzen: «Trübselige Meinung. Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.» Dagegen muss und kann die Lüge weiterhin bekämpft werden. Auch mit Orwell und «Nineteen Eighty-Four».

So können Lügen durch Übersteigerung der Lächerlichkeit preisgegeben werden, wie es vor allem von Satirikerinnen und Satirikern im Fernsehen und auf den Social Media versucht wird.

Leider reicht die Satire nicht immer. Die Aufgabe bleibt, zu zeigen, wie das Lügen funktioniert, welche Mittel verwendet werden, wie damit welche Menschen überzeugt werden können und welche Konsequenzen daraus entstehen. Man muss also nicht die Lüge, aber das Lügen als Technik ernst nehmen, um dagegen angehen zu können.

In »1984» finden sich einige Mittel dazu. Die grösste Lücke des Romans besteht allerdings, krude gesagt, darin, dass er sich nur um den Mittelstand kümmert. Winston Smith arbeitet ja, wie seine wenigen Bekannten, im Ministerium für Wahrheit, dem Minitrue, ist also im ideologischen Kampf beschäftigt. Die Proles hingegen, «neunzig Prozent der Bevölkerung», kommen nur als dumpfe Masse vor, zu einem bestimmten Zeitpunkt für den Intellektuellen Smith eine naive Hoffnung, dann wieder blosse Staffage. Das ist in der Fiktion gerechtfertigt. Aber es lässt die soziale Verankerung der Handlung in der Schwebe. Dass sich IdeologInnen auf, sagen wir, Trump oder auf Christoph Blocher eingelassen haben, liegt angeblich in der Luftigkeit ihrer Ansichten begründet, wie sie unter dem Stichwort des «Verrats der Intellektuellen» immer wieder beklagt worden ist.

Doch dieser Klage drohen zwei Gefahren. Die erste ist ein Anti-Intellektualismus, wenn komplexes Denken abgewertet oder ihm generell Käuflichkeit unterschoben wird. Dem erlag Orwell gelegentlich, da er sich rühmte, das einfache Volk zu vertreten. Die zweite Gefahr besteht umgekehrt darin, die Situation der Intellektuellen für die ganze Gesellschaft zu verallgemeinern. In der Gesellschaft von «1984» wird die Sicherstellung der ökonomischen Basis für Winston beiläufig geregelt oder an die Proles abgeschoben. Gleiches geschieht in aktuellen populärkulturellen Dystopien wie «Hunger Games» (2012-2015) oder «Snowpiercer» (2013); in letzterem Film, der zuweilen als scharfe antikapitalistische Kritik gefeiert worden ist, wird das eindrückliche, aber unterkomplexe Bild verwendet, dass die hinten im Zug schuftenden Menschen als Nahrungsmittel ihren eigenen Scheissdreck vorgesetzt bekommen.

In der Konsequenz werden dadurch politische Auseinandersetzungen auf den Kampf der Werte reduziert – für oder gegen bestimmte Anschauungen. Wie es gegenwärtig am Erfolg populistischer Bewegungen diskutiert wird: Geht es vorrangig um (kulturelle) Werte oder um (ökonomische) Interessen? Bedient der neue Populismus nur noch kulturell-moralische Vorstellungen, oder gibt es weiterhin eine «politische Ökonomie des Populismus»21?

Orwell verbleibt in seinem Roman im Rahmen der politischen Instrumentalisierung von Werten. Aber zu deren Analyse liefert er eine Fülle von Bildern und Anregungen.


1. George Orwell: Im Innern des Wals. In: Im Innern des Wals. Erzählungen und Essays. Aus dem Englischen von Felix Gasbarra, Zürich 1975, s. 87-137, hier: S. 128.

2 Ebenda, S. 136.

3 George Orwell: Inside the Whale. In: The Collected Essays, Journalism and Letters, Volume 1. Penguin Books, London 1970, S. 540-578, hier: S. 578.

4 Ian McEwan: Outside the Whale. George Orwell, politics and the role of the imagination in a time of crisis. In: New Statesman, 10 December 2021, S. 36-42, hier: S. 39.

5 Frank Kafka: Der Prozess. Neuntes Kapitel, Fischer Taschenbuch Verlag 1979, S. 188.

6 George Orwell: Orwell on Truth. Harvill Secker, London 2017.

7 Ebenda, inneres Umschlagblatt.

8 George Orwell: Über Nationalismus. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Mit einem Nachwort von Armin Nassehi. dtv, München 2020.

9 Ebenda, S. 25.

10 Gustav Seibt: Zorn und Zeit. Süddeutsche Zeitung, 21.1.2020.

11 Orwell: Über Nationalismus, S. 54.

12 George Orwell: «Ganz unten in Paris und London». Neu übersetzt, mit Erläuterungen versehen und herausgegeben von Peter Hillebrand. Comino Verlag, Berlin 2021.

13 George Orwell: «Ruins. Orwell´s Reports as War Correspondent in France, Germany and Austria from February until June 1945». Introduction by Stephen Kearne. Comino Verlag, Berlin 2021.

14 George Orwell: «Reise durch Ruinen. Reportagen aus Deutschland und Österreich 1945». Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff. Mit einem Nachwort von Volker Ulrich. C.H. Beck, München 2021.

15 Nach der Übersetzung von Michael Walter, S. 258.

16 George Orwell: «1984». Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Insel Verlag, Berlin 2021 / Aus dem Englischen übersetzt von Gisbert Haefs. Nachwort von Mikro Bonné. Manesse Verlag, München 2021 / Aus dem Englischen neu übersetzt, mit einem Nachwort, Anmerkungen und einer Zeittafel von Lutz-W. Wolff. Mit einem Vorwort von Robert Habeck. dtv, München 2021. / Aus dem Englischen neu übersetzt von Jan Strümpel. Anaconda Verlag, München 2021 / Neu übersetzt und mit einem Nachwort von Frank Heibert. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2021 / Aus dem Englischen von Karsten Siegelmann. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 2021 / Übersetzung und Nachwort von Holger Hanowell. Reclam, Ditzingen 2021 / Neu übersetzt von Simone Fischer. Nikol-Verlag, Hamburg 2021.

17 https://www.tralalit.de/2021/02/11/welche-uebersetzung-soll-ich-lesen/

18 Nach der Übersetzung von Michael Walter, S. 302.

19 Siehe Darcy Moore, https://www.darcymoore.net/2020/03/07/22/

20 Nach der Übersetzung von Michael Walter, S. 298.

21 Philipp Manow: Die politische Ökonomie des Populismus. Suhrkamp Verlag, Berlin 2018.

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Die Lebensnotwendigkeit von Theorie-Arbeit

bücherräumereien (XXXVII)

Daraus ist der bücherraum ja auch entstanden, aus Widerspruch-Bibliothek und Widerspruch-Archiv. In der Politisch-Philosophischen Bibliothek im bücherraum f sind die Bücher und Materialien vorhanden, die der Redaktionsarbeit zudienten. Hier ein kurzer subjektiver Rückblick auf vierzig Jahre Widerspruch.

Fünfundsiebzig Archivschachteln stehen im bücherraum f. Gefüllt mit Zeitungsausschnitten, Broschüren, Notizen. Es sind Grundlagen für die Arbeit an rund sechzig Widerspruch-Nummern. So hat Pierre Franzen gearbeitet. Als Widerspruch-Redaktor war er ein unersättlicher Leser und Sammler. Kaum eine deutschsprachige Zeitung, kein Theorieorgan war vor ihm sicher. Alles wurde ausgewertet, angezeichnet, aufbewahrt. Das Material diente der Entscheidung fürs nächste Schwerpunktthema des Widerspruch, aber auch der konkreten Textarbeit. Die ist schon beinahe legendär. Wenn ein Manuskript eintraf, wusste Pierre bald, wo Schwachstellen lagen, Ergänzungen nötig waren, gab hier noch einen Literaturhinweis, eine Anregung, mahnte da eine präzisere Wortwahl an und legte gleich einen hilfreichen Zeitungsausschnitt bei. Das war herausfordernd und anspruchsvoll, zuweilen anstrengend, doch immer lohnend.

Genug der Personalisierung, würde Pierre sagen, der Widerspruch habe schliesslich im Kollektiv gearbeitet. Das stimmt und ist doch nur die halbe Wahrheit. Es stimmt, da die Redaktion in der ersten Phase aus rund zehn Personen bestand, um die sich anfänglich sogar Arbeitsgruppen anordneten. Aber in diesem Kreis gab es wiederum einen inneren Kreis von drei bis vier Leuten, welche die Produktion der Hefte bis hin zum Druck garantierten. Bis 1991 schliesse ich mich in diesen engeren Kreis ein. Ab 1991 wurde der Widerspruch – und man tut niemandem Unrecht, wenn man das feststellt – zweieinhalb Jahrzehnte lang von drei Personen getragen, Pierre Franzen, Urs Sekinger und Walter Schöni.

Auf die Nummer 62 im Jahr 2012 gab es einen Einschnitt: Pierre Franzen trat aus gesundheitlichen Gründen aus der Redaktion zurück. In einer Würdigung schilderten Urs Sekinger und Walter Schöni dessen unschätzbaren Beitrag zum Widerspruch und schlossen: «Mit dem Weggang von Pierre verlieren wir in der Redaktion einen Weggenossen und Kollegen, der für politische Urteilskraft, Kontinuität und stets neue Herausforderungen stand.» (62/12, 10)

Mit diesem Heft gab der Widerspruch auch den Selbstvertrieb auf. Seither erscheint er im Rotpunktverlag, zugleich in einem überarbeiteten Layout. Nach dem Austritt der langjährigen Redaktoren Walter Schöni 2017 und Urs Sekinger 2018 wird er von einem neuen Kollektiv geführt. Kein Wunder, beschäftigten sich jüngste Hefte mit dem Frauen*streik und der Jugend: neue Gesichter und seit Heft 74 nochmals ein neues Gesicht für die Zeitschrift.

Erweiterungen

Die Anfänge des Widerspruch sind von Urs Sekinger im vorangegangenen Widerspruch-Heft 76 geschildert worden. Er hat die drei Gruppen bzw. Tendenzen gezeigt, die sich 1981 zum Projekt vereinigten. Nach dem stark durch interne Diskussionen in der Partei der Arbeit (PdA) geprägten Auftaktheft dokumentierte Heft 2 einen breiteren Ansatz, versuchte der Widerspruch, seinen Anspruch als «Diskussionsforum» für die Schweizer Linke zu erfüllen. Die folgenden Hefte wiesen noch zwei Themenschwerpunkte auf, worin sich ein Nachholbedarf an Analysen drängender Fragen ausdrückte. Dabei zeigten sich zwei Schwerpunktsetzungen innerhalb der Redaktion: diejenigen, die eher auf «harte» politische Themen setzten, und diejenigen, die Analysen «weicher» Themen in den ideologischen Apparaten forcieren wollten. Die Nummer 6 verband dann Politik und Kultur unter dem Titel «Kulturzerstörung & Widerstandskultur». Im Editorial wurde allerdings von einem «Krisenheft» (6/83, 3) gesprochen. Man sei innerhalb der Redaktion an Grenzen der Arbeitsbelastung gestossen, und man müsse sich von der «Illusion» verabschieden, kurzfristig den Diskussionszusammenhang der Linken erweitern zu können.

             

Die Krise schuf zugleich neue Klarheit. Sie erlaubte eine redaktionelle wie inhaltliche Erweiterung des Projekts. Jetzt entstand das im Wesentlichen bis heute beibehaltene Konzept: Zwei Nummern im Jahr, ein einziger Themenschwerpunkt, dazu die Rubriken Diskussion und Rezensionen. Und es wurde das so genannte Aufrisspapier eingeführt, zwei bis vier Seiten, auf denen mögliche, bevorzugte Themen für die nächsten Nummern skizziert sowie erste Stichworte und Literaturhinweise vorgegeben wurden. Das Aufrisspapier diente zuerst einmal der Selbstqualifizierung und Selbstvergewisserung der Redaktion, ging dann an alle potenziellen Autorinnen und Autoren, um sie zur Mitarbeit zu animieren.

Mit Nummer 12/86 traten Urs Sekinger und Jakob Tanner, mit Nummer 14/87 Walter Schöni der Redaktion bei. Der Widerspruch blieb ein Kollektiv doch bildeten sich Arbeitsteilungen heraus: Die einen konzentrierten sich auf die redaktionelle Arbeit, andere verstanden sich eher als Schreiber, und dann gab es noch die produktionstechnische sowie die administrative Arbeit. Die Technik hatte, vor der durchgreifenden Digitalisierung, ihre eigenen Herausforderungen und Reize. Ich erinnere mich an die frühen Zeiten, als wir jeweils auf der Sihlpost Manuskripte auf den allerletzten Zug aufgaben und ich unsere Setzerin, Helga Ruckstuhl im Tessin, und später Fritz Witschi in Basel beschwichtigen musste, weil wieder mal – aber, versprochen, zum allerletzten Mal – ein Artikel nach Redaktionsschluss gesetzt werden sollte. Die Kehrseite war ein, nun, nicht gerade lesefreundliches Layout, sowie die, nun, nicht gerade erstklassige Druck- und Bindequalität der ersten Hefte.

Die Erweiterung der Redaktion ermöglichte zwei Sonderbände, 1987 zum sogenannten Friedensabkommen als «Realität eines Mythos», 1989 zu «Schuldenkrieg und CH-Finanzplatz». Diese Sonderbände trugen dazu bei, dass sich der Widerspruch weiter etablierte. Es ging nicht mehr nur, wie zuweilen etwas boshaft angemerkt worden war, um abgehobene Insiderdebatten, sondern hier wurden praktikable, brauchbare Materialien für eine breite linke Bewegung und deren Diskussionen zur Verfügung gestellt.

Jedes Projekt und Produkt kennt seine Zyklen. Auch im Widerspruch gab es Rücktritte und Neueintritte. Ich nenne, unvollständig und ungerecht, einige Namen: Gründungsmitglied Franz Cahannes schied mit der Nummer 16/88 aus, die langjährigen Redaktionsmitglieder Urs Hänsenberger nach der Nummer 14/ 87, Martin Bondeli und Peter Farago nach Nummer 22/91, Reto Tognina nach Heft 28/94.

Ein Arbeitsmodell

Das Produktions- wie das Geschäftsmodell des Widerspruch beruhten auf viel Gratisarbeit. Das galt in erster Linie für die Redaktion, aber auch für die Mitarbeitenden. Der Widerspruch verfügte bald über einen Kreis von AutorInnen, die bereit waren, ohne Entgelt für ihn zu schreiben. Dazu gehörten bekannte links engagierte Intellektuelle wie Arnold Künzli, Manfred Züfle, Paul Parin oder Jean Ziegler, die periodisch für Beiträge gewonnen werden konnten. Zudem nenne ich hier, wiederum ungerecht, die Gewerkschafter Hans Schäppi und Hans Baumann, die Soziologen Ueli Mäder und Heinz Kleger, die Ökonomin Mascha Madörin, die Historiker Ruedi Graf und Jo Lang, der Ökologe Hans Steiger.

Ausgangspunkt und Zentrum der Analysen blieb die Schweiz, aber der Widerspruch war bald stark mit Deutschland verbunden und strahlte dorthin aus. Regelmässig vertretene deutsche Autoren waren etwa Elmar Altvater, Michael K. Krätke, Wieland Elfferding, Klaus Dörre, Alex Demirovic und Frieder Otto Wolf. Eine besondere Bedeutung kam André Gorz zu, von dem der Widerspruch ein halbes Dutzend Artikel druckte, zuweilen als Originalbeiträge.

Gelegentlich wurde am Widerspruch ein allzu enges Spektrum der Mitarbeitenden kritisiert, nicht weil deren Qualität bezweifelt wurde, sondern weil die Positionen ein wenig vorhersehbar seien. Das hing mit der Kontinuität der Themen zusammen, bei denen spezifisch qualifizierte TheoretikerInnen zur Verfügung standen. Wenn ein für den Widerspruch neues Feld bearbeitet wurde, etwa «Bildung, Schule, Arbeit» in Nummer 33 oder «Zeit» in Nummer 36, dann gelang es, neue sachkundige AutorInnen in die Zeitschrift zu holen. Das hat sich in den letzten Jahren verstärkt, auch mit jüngeren AutorInnen.

Einst hatte die Gestaltung der ersten Nummer heftige Debatten ausgelöst, die auch ihren skurrilen Charme hatten. Beim wichtigeren Untertitel einigten wir uns schliesslich auf «Beiträge zur sozialistischen Politik». Der wurde gelegentlich befragt, blieb dennoch zwei Jahrzehnte lang bestehen. Allmählich aber wurde nicht so sehr das sozialistische, sondern die eine, einzige sozialistische Politik in Zweifel gezogen. Gab es nicht längst verschiedene sozialistische Politiken? 2003, mit Nummer 44, einigte man sich als Kompromiss auf einen neuen, subtil offeneren Untertitel: «Beiträge zu sozialistischer Politik». Der wird seither, allen Verabschiedungen und Konjunkturen zum Trotz, weiterhin mitgetragen; er hat auch eine erneute Überholung des Layouts mit Nummer 74 im Frühling 2020 überstanden, steht jetzt bescheiden in kleinster Schrift unter dem gross prangenden Titel.

In der Medienszene

In Nummer 1 war der Anspruch formuliert worden, «ein theoretisch-politisches Diskussionsforum» zu werden, das zur Erweiterung der sozialistischen Öffentlichkeit in der Schweiz beitragen und dabei nach allen politischen Seiten hin offen sei. In einem Rückblick im Heft 62 von 2013 wurde das nochmals bestätigt: Der Widerspruch sei ein «unabhängiges Diskussionsforum für linke Debatten mit breitem Themenanspruch, intervenierendem Charakter und hohem Qualitätsanspruch» (62/13, 9).

Das Diskussionsforum und der intervenierende Charakter: Über die Erfüllung dieser Ansprüche gab es gelegentlich Debatten innerhalb der Redaktion. In meiner Vorstellung zum Beispiel sollten Diskussionen direkt hergestellt werden, durch kontradiktorische Beiträge im Widerspruch selbst oder durch Artikel, die unmittelbar auf Positionen in anderen Organen reagierten. Das glückte nur selten, war wohl zu einfach gedacht. Diskussionen wurden eher indirekt ausgetragen, thematische Beziehungen untergründig hergestellt (sagen wir: rhizomatisch). Die Widerspruch-Hefte bildeten allmählich ein Themengeflecht, das teilweise auf andere Debatten reagierte, teilweise von diesen aufgegriffen wurde. Vorabdrucke und Nachdrucke trugen dazu bei. Ebenso stand in Frage, ob der Widerspruch aktuelle Debatten im Nachklang zusammenfassen oder sie antizipieren konnte. Vielleicht lässt er sich als ein Seismograf bezeichnen, der die Ereignisse aufzeichnet und erste Schlüsse zieht, um so den künftigen Ereignissen womöglich doch einen Schritt voraus zu sein.

Zu Beginn wurde die Zeitschrift in den bürgerlichen Medien ignoriert, ja mehr noch, unterschlagen. Beispielsweise veröffentlichte das Basler Magazin 1984 einen Artikel des früh verstorbenen Rudolf M. Lüscher, der als unveröffentlicht angekündigt wurde – dabei war er 1982 schon im Widerspruch erschienen. Als die Zeitschrift sich mit einer Auflage von über 2000 Exemplaren und etlicher Resonanz in anderen linken Medien etablierte, wurde sie auch in bürgerlichen Medien als ernsthafte Theorieproduktion wahrgenommen und rezensiert. Spätestens mit der Nummer 21, als unter Stöhnen und Ächzen der Produktionsabteilung erstmals 200 Seiten überschritten wurden, entsprach ein Widerspruch-Heft einem Buch, das eigenständig rezensiert werden sollte. Jedenfalls vertrat Pierre Franzen diesen Anspruch gegenüber unwilligen RedaktorInnen, hartnäckig, unermüdlich; nicht unähnlich jenem anderen, früheren Propagandisten der gemeinsamen Sache, Theo Pinkus. Mit Erfolg: Gelegentlich wurden einzelne Hefte mit bis zu dreissig Rezensionen und Hinweisen gewürdigt.

Dabei bewährte sich die organisatorische und politische Unabhängigkeit der Redaktion und der Zeitschrift, während Parteiprodukte, so wie teilweise die sie tragenden Parteien, allmählich eingingen. Der Widerspruch hat drei Jahrzehnte lang eine Zeitschriftenschau linker Publikationen abgedruckt, und sie dokumentiert nachträglich die Veränderung der linken Medienlandschaft.

Bereits 1986 stellten die POCH ihr theoretisches Organ, die positionen, ein. Aus Kulturkreisen entstand ein Jahr später der Einspruch. Zeitschrift der Autoren, der gediegene Essays mit politischem Anspruch enthielt. Herausgegeben von Alexander J. Seiler und Bruno Schärer, stand der Einspruch «in Verbindung» mit einer illustren Schar, von Max Frisch, Arnold Künzli, Adolf Muschg, Harald Naegeli, Rolf Niederhauser, Erica Pedretti, Alice Vollenweider bis zu Otto F. Walter. Dennoch reichte es, von 1987 bis 1991, nur zu dreissig Heften.

Das Kulturmagazin, 1975 noch vor dem Widerspruch aus POCH-nahen Kreisen gegründet bzw. von diesen mitgetragen, schaffte es immerhin bis zur Nummer 114 im Jahr 1996. Es bleibt historisch gesehen ein wichtiges Dokument zum Übergang von der (partei)politischen zur kulturellen Linken.

Im selben Jahr wie der Einspruch, 1987, war aus Kreisen der linken Opposition in den Gewerkschaften die Monatszeitschrift diskussion gegründet worden. 1994 liquidierte die Revolutionäre Marxistische Liga (RML), später die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) ihr Organ Die Bresche, die neben zeitpolitischen Artikeln grundsätzliche Analysen veröffentlicht hatte; im gleichen Jahr wurde die diskussion eingestellt. Für ein Nachfolgeprojekt fanden sich Mitglieder aus beiden Redaktionen mit der unabhängigen Publizistin Maja Wicki zu einem rot-grünen monatlichen Forumsmagazin zusammen. Die kurz Moma genannte Zeitschrift wurde nie selbsttragend und bereits auf Ende 2000 eingestellt.

Auch die Neuen Wege der religiös-sozialistischen Vereinigung und die Rote Revue der Sozialdemokratischen Partei Schweiz (SPS) brachten theoretische Artikel, richteten sich aber an ein mehr oder weniger homogenes, geschlossenes Publikum. Als Organ, das sich explizit die übergreifende Diskussion zur Aufgabe stellte, nahm der Widerspruch deshalb eine besondere Stellung ein.

2005 startete das Jahrbuch Denknetz. Zuerst von beiden Seiten eher argwöhnisch als mögliche Konkurrenz um den gleichen MitarbeiterInnenpool und das gleiche Lesepublikum sowie finanzielle Ressourcen betrachtet, kann man mittlerweile von einer Arbeitsteilung sprechen; ja, es gab und gibt durchaus personelle Überschneidungen auch auf redaktioneller Ebene.

Ein paar Zahlen

Der Widerspruch startete 1981 mit 600 Exemplaren; eine zweite Auflage von weiteren 600 Exemplaren war bald vergriffen. Für die folgenden Nummern pendelte sich eine Auflage von 1000 Exemplaren ein. Heft 8 schaffte dann eine Zweitauflage, und mit der Nummer 9, ebenfalls in Zweitauflage, wurde ein vorläufiger Rekord von 2000 Verkaufsexemplaren erreicht. Danach lag die durchschnittliche Erstauflage bei 1300 Exemplaren. Erfreulich entwickelte sich auch die finanzielle Situation. 1988 resultierte ein Gewinn, dank Gratisarbeit – der Begriff Selbstausbeutung wurde als «theoretisch unzulässig» tunlichst vermieden. Immerhin konnte man jetzt eine Sekretariatsstelle mit 900 Franken im Monat entlöhnen und Reserven bilden. Mit Heft 16 wurden erstmals 1000 Abos gezeichnet und die Erstauflage stieg auf 2200 Exemplare. Im Jahr 1991, das als «Jubeljahr» der Eidgenossenschaft etwa auch der WOZ publizistischen Auftrieb verlieh, war mit Heft 23 ein Höhepunkt erreicht: Die Abos waren bei 1400 angelangt, die Gesamtauflage bei 2500 Exemplaren.

Satz-, Druck- und Vertriebskosten stiegen freilich überproportional, und da der bereits in den 1980er-Jahren geschaffene Förderverein stagnierte, sah das Budget 1993 und 1994 ein Defizit vor. Unerwarteterweise sprang die Pro Helvetia mit einer Subvention ein. 1995 und 1996 resultierte allerdings ein Verlust, der aus Reserven getilgt werden musste.

Von nun an wurde der Widerspruch unweigerlich von finanziellen Problemen begleitet. Der Förderverein mit rund 130 Mitgliedern («Förderabos») garantierte zwar ein regelmässiges Basiseinkommen. Obwohl im Durchschnitt pro Nummer weiterhin 2200 Exemplare verkauft wurden, schlossen die Abrechnungen 2001 und 2002 mit kleineren Defiziten. Ein grösserer Verlust 2004 konnte teilweise durch eine zweite überraschende Subvention von Pro Helvetia sowie der Migros-Kulturstelle getilgt werden. 2011 musste angesichts finanzieller Engpässe erneut über die Zukunft des Widerspruch diskutiert werden. Noch immer waren 1400 Abos registriert, zwei Jahre später waren es nur noch 1200, bei einer Gesamtauflage von 1750 Exemplaren. Eine Überalterung der LeserInnenschaft, die den Widerspruch dreissig Jahre begleitet hatte, trug dazu bei. Wieder einmal half im Herbst 2014 ein Spendenaufruf, zudem stieg die WOZ als Unterstützerin ein. Damit konnte das Konzept einer neuen Koordinationsstelle in der Redaktion umgesetzt werden, die zuerst von Jonas Aebi und gegenwärtig von Julia Klebs ausgeführt wird. Doch 2016 war die Zahl der Abos unter 1000 gesunken. Seither ist die Tendenz wieder leicht steigend, mit neuen Themen für ein jüngeres Publikum, mit Veranstaltungen und Internet-Auftritten. Dennoch bleibt die Finanzlage angespannt.

Neoliberalismus und Demokratie

Im Überblick lässt sich im Widerspruch eine Kontinuität von Themen feststellen, die auch eine Kontinuität der realen Probleme ist.

Der Start im März 1981 fiel mit dem beginnenden Siegeszug des Neoliberalismus zusammen, der mit den Wahlerfolgen von Margaret Thatcher 1979 in Grossbritannien und Ronald Reagan 1980 in den USA politischen Ausdruck erhalten hatte. An diesem radikal veränderten Umfeld hatte sich die Zeitschrift in der Folge abzuarbeiten. Der Schweizer Finanzplatz war in die weltweiten Entwicklungen eingebunden, und so musste eine Analyse der Schweiz eine internationale Dimension berücksichtigen. Die neoliberal gefärbte Globalisierung wurde früh, in den Nummern 5 und 16 thematisiert, was 1989 im Sonderband II («Schuldenkrieg und CH-Finanzplatz») vertieft wurde. Dabei gab es zwei Ansatzpunkte: Die politökonomische Analyse der neuen globalen Diktatur der Märkte und die NGO-Perspektive als mögliche Alternative. Das wurde periodisch als Neo-Kolonialismus, Imperialismus, finanzgetriebene Globalisierung analysiert.

Verbunden damit war das Thema Demokratie. Nach 1989 feierten die bürgerlichen IdeologInnen den schrankenlosen Sieg des Kapitalismus, dem die (parlamentarische) Demokratie inhärent sei. Der Epochenbruch 1989 hatte die Redaktion Widerspruch überrascht, wie wohl alle. Anfang der 1980er-Jahre war die Entwicklung in Polen, vor allem der Gewerkschaft Solidarność verfolgt worden, ansonsten war der «Realsozialismus» in der Zeitschrift kaum je Thema. Nach 1989 musste sich die Linke vorerst vom schockartigen Zusammenbruch des bipolaren bzw. tripolaren Weltmodells erholen, auch jene, die sich kritisch mit dem sowjetischen Empire auseinandergesetzt hatte. Im Sommer 1990 wurde deshalb im Widerspruch 19 gefragt: «Sozialismus am Ende?» Natürlich nicht, konnte die Antwort nur lauten, wenn man unter sozialistischer Politik sowohl einen analytischen Ansatz wie ein uneingelöstes gesellschaftliches Versprechen verstand. Aber eine Unsicherheit und eine analytische Leerstelle blieben. Dagegen setzte 1992 die Nummer 24 «Demokratie radikal». Sie wollte das Uneingelöste zumindest skizzieren und wagte dabei auch Ungewohntes, ja Ketzerisches. Der Ökonom Samir Amin zum Beispiel beharrte auf einer nationalen Perspektive für die Länder des globalen Südens; Heinz Kleger sah die sozialen Bewegungen erschöpft und plädierte für eine neue zivile Bürgerlichkeit.

Gegen das neoliberale Mantra, «There is no alternative» (TINA), boten die Weltsozialforen ab 2001 eine neue Hoffnung, die auch den Widerspruch beschäftigte. Parallel erlebten der Begriff und das Konzept der Demokratie eine neue Konjunktur. 2008 erkundete die Nummer 55 die Defizite der Postdemokratie und aktualisierte die Wirtschaftsdemokratie als neu-altes Gegenkonzept. Michael R. Krätke formulierte den hohen Anspruch: «Wenn die Wirtschaft demokratisiert wird, kann die Demokratie nicht bleiben, wie sie ist. In dem Prozess, der von der nur ‹politischen› zur ‹sozialen› und ‹wirtschaftlichen› Demokratie führt, wird die Demokratie (und wird der Demos) radikal umgebaut.» (55/08, 7) Es folgten 2011 Analysen zum Arabischen Frühling und zu Vorstellungen einer ökologischen Demokratie; die Nummer 68 brach dies 2018 aufs lokale Terrain der Stadt hinunter, und in Heft 71 kehrte der Widerspruch unter veränderten Vorzeichen wieder zum lockenden Versprechen der Autonomie zurück.

Ein weiteres kontinuierliches Thema bildeten Europa, die EU und die Schweiz. Es gab eine Kontinuität der Problemlage wie der Analyse: «Schweiz-Europa: Strategien» hiess die Nummer 20 von 1990, «Europa, EU, Schweiz – Krise und Perspektiven» hiess es 2014 im Heft 65. Dazwischen lag das EWR-Nein von 1992, das die links-grüne Allianz gespalten hatte; zu den Konsequenzen und Verwerfungen publizierte der Widerspruch regelmässig Diskussionsbeiträge und ganze Hefte.

Ebenso kontinuierlich wurden die verheerenden Konsequenzen der verschiedenen neoliberalen Sozialpolitiken verfolgt, dazu Rassismus und Migration, mit periodischen Beiträgen von Beat Leuthardt und Heiner Busch. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Heft 35/98 mit dem knappen Titel «Menschenrechte» zu einem der am häufigsten verkauften Hefte wurde. Auch Psychologie und Psychoanalyse waren von Beginn gut vertreten durch Gründungsmitglied Berthold Rothschild, dazu kamen unterschiedlich akzentuierende Vertreter der Zürcher Schule wie Emilio Modena oder Robert Heim.

Linke, Frauen, Macht

Besonders erfolgreich erwies sich 2002 das Heft 43, «Linke und Macht». Im Fokus stand die Sozialdemokratie, da sich Mitte-Links-Regierungen und Dritte Wege in Europa allmählich erschöpften. In der NZZ am Sonntag meinte Urs Rauber, einst Gründungsmitglied des Widerspruch, aber längst in der Teppichetage der NZZ gelandet, aus Schweizer Sicht verwundert: «Alle reden über die Krise des Freisinns, nur die linksalternative Zeitschrift Widerspruch widmet ihren Schwerpunkt der Krise der Linken.» (NZZaS, 16.2.2003) Insbesondere angetan hatte es ihm ein Beitrag des ehemaligen Bundeshaus-Fraktionschefs der SPS, Franco Cavalli. «Einige Diagnosen und Rezepte des Polit-Doktors aus Ascona, Franco Cavalli, wirken visionär, andere weltfremd mit einem gewissen Unterhaltungswert. Immerhin belebt der Tessiner Rhetoriker die oft allzu pragmatische Auseinandersetzung in der Schweizer Tagespolitik durch theoretisch unterfütterte Beiträge» – dieses Lob mochte angesichts der heftigen Kritik von Cavalli an der damaligen SP-Führung taktisch gemeint sein, und dennoch wurde mit der «theoretischen Unterfütterung» ein zentraler Anspruch des Widerspruch anerkannt. Auch Rolf Bossart in der Orientierung und Roger Monnerat in der WOZ bescheinigten dem Heft, den gegenwärtigen Diskussionsstand zum Scheitern der Sozialdemokratie und zur Herausbildung einer heterogenen Bewegung gegen die Globalisierung gut zu dokumentieren.

Heft 45 beschäftigte sich unter dem Titel «Wissen, Bildung, Informationstechnologie» mit einer weiteren globalen Tendenz, wie das Editorial erläuterte: «Die konvergierenden Entwicklungen von Mikroelektronik, Telekommunikation und Massenmedien in den 90er-Jahren haben den globalen Raum ökonomisch und politisch-militärisch neu strukturiert. Der Golfkrieg der USA und der multinationalen Streitkräfte im Jahre 1991 leitete nicht nur eine neue Phase des Kriegs um Ressourcen ein, er demonstrierte auch die Möglichkeiten informationsbasierter Steuerung von imperialer Gewaltausübung und ihrer medialen Manipulation in allen Weltregionen.» (45/03, 3)

Autorinnen wie Mascha Madörin oder Christa Wichterich, auch Gisela Notz, Claudia von Werlhof, auch Frigga Haug und später Therese Wüthrich, meldeten sich regelmässig zu Wort. Dennoch blieben feministische Fragestellungen und Ansätze untervertreten. Mit dem Heft 16, «Frauen, Arbeit und Widerstand», wurde erstmals 1988 gezielt versucht, mehr Frauen als Männer ins Heft zu bringen, ohne nachhaltigen Erfolg. In der Jubiläumsnummer 40 sind von 25 Beiträgen gerade mal 2 von Frauen geschrieben. Immerhin: Heft 44 von 2003 erschien zu «Feminismus, Gender, Geschlecht» mit Beiträgen neuer Schreiberinnen mit einer Auflage von 3000 Exemplaren eines der erfolgreichsten Hefte. Und mit Nummer 46 war 2004 im Kollektiv, das jetzt auch durch Ruth Amsler und Heidi Aubert im Vertrieb und Verkauf tatkräftig unterstützt wurde, vorübergehend Geschlechterparität hergestellt. Das schlug sich nur beschränkt in den Themen und Artikeln nieder. Die Gründe dafür lagen nicht nur beim Widerspruch. Frauen schrieben prioritär in den damals noch vorhandenen feministischen Publikationen wie Olympe (1994–2012) und Emanzipation (1975–1996). Immerhin verstärkte Tove Soiland einige Jahre lang den Stellenwert feministischer Ansätze in der Redaktion und in den Heften. Und mittlerweile besteht die Redaktion mehrheitlich aus Frauen, mit entsprechenden Konsequenzen, was Themen und SchreiberInnen betrifft.

Rudolf Walther hatte zum zwanzigsten Jahrgang im Tages-Anzeiger auf den «linken Pluralismus» des Widerspruch hingewiesen: «Die Autoren und die Redaktion verdienen das grösste Lob für eine politische Zeitschrift: Sie haben vom ‹Wandel der Arbeit› über die ‹Krise des Sozialen› bis hin zu ‹Globalisierung› und den ‹Menschenrechten› kein wichtiges Thema verpasst. Und sie verstanden es dabei immer, theoretische Perspektiven mit dem Blick auf konkrete Konflikte und Krisenlagen zu kombinieren.» (Tages-Anzeiger, 20.6.2021) Zum dreissigsten Geburtstag wurde nach einer erfolgreichen Spendenkampagne versprochen, die «Zukunft des Zeitschriftenprojekts behutsam» in Angriff zu nehmen (60/11, 4). Die nunmehr vierzigjährige Erfolgsgeschichte und die weiterhin bestehende Notwendigkeit des Widerspruch lassen sich gerade daran ablesen, dass Kontinuität und Wandel ertragreich miteinander verbunden wurden. Jedenfalls ist die behutsame Zukunft immer noch vorhanden, ja, die neue Redaktion geht mit neuem Schwung ins fünfte Jahrzehnt.

Stefan Howald

 

 

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst im Widerspruch 77, «Geld.Macht.Politik», Zürich 2021, S. 185–195.

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«Ein Verbrechen gegen die Menschheit»

Die Schweiz, der Kolonialismus und die Sklaverei: Kaum einer hat mehr zur Bewusstwerdung und zur Forschung über die Schweizer Verstrickung in die Sklavenwirtschaft beigetragen als Hans Fässler. Der Historiker und Aktivist beschäftigt sich seit zwanzig Jahren mit dem Thema, in Büchern und Artikeln, aber auch mit Kampagnen. Für das Buch «Projekt Schweiz» hat er einen Schweizer Vorkämpfer gegen den Sklavenhandel ausgewählt, nämlich den Schaffhauser Wilhelm Joos (1821-1900). In einem Videobeitrag schildert Fässler, was der vielseitig engagierte Joos für uns heute bedeuten könnte und sollte, und zeigt die aktuelle Auseinandersetzung zur Aufarbeitung der Rolle der Schweiz.

In der Videoreihe zum «Projekt Schweiz» sind bisher folgende Beiträge erschienen:

Bettina Eichin zu Sibylle Ochs; Friederike Kretzen zu Robert Frank; Jean-Martin Büttner zu Albert Hofmann; Ruth Schweikert zu Paulette Brupbacher; Caroline Arni zu Aline Valangin und Jakob Tanner zu Elsa F. Gasser.

Sie finden sich auf dieser Website in der Rubrik Podcasts.

 

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In der Zivilgesellschaft

bücherräumereien (XXXVI)

Eine kleine Geschichte des Kulturmagazins, das ab 1977 rund 20 Jahre lang in der Schweiz die Debatte um alltagskulturelle Themen und eine demokratische Kultur beförderte.

Eine Lücke ist geschlossen: Vom Kulturmagazin stehen im bücherraum f jetzt die ersten fünf Nummern. Raimund Meyer hat sie uns freundlicherweise aus seinem Fundus geschenkt. Nun ist die Sammlung in den wichtigen frühen Jahren vollständig; es fehlen nur noch wenige Nummern der späten Hefte bis zur Nummer 114 vom Dezember 1996.

Das Kulturmagazin erschien erstmals im Februar 1977 mit dem Untertitel «Demokratische Kunst und Kulturpolitik»; nach zwei Jahrzehnten, Anfang 1997, stellte es sein Erscheinen ein. Die Zeitschrift lässt sich als Ausdruck des Übergangs von der parteipolitischen zur kulturellen Linken lesen. Gestartet wurde mit einem klaren Programm: «Kulturmagazin setzt sich zum Ziel, das Verständnis für demokratische Kunst und Kultur zu fördern und das Schaffen engagierter und fortschrittlicher Künstler einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen… Kulturmagazin will ein Forum für die aktuelle kunst- und kulturpolitische Auseinandersetzung bilden. Es bemüht sich, Werke und Standpunkte von Künstlern, die in den Reihen der Emanzipationsbewegungen von Völkern der dritten Welt stehen, in unserem Lande publik zu machen. Kulturmagazin sucht die Zusammenarbeit mit allen fortschrittlichen Kulturorganisationen … erstrebt eine aktive Mitarbeit der Künstler … wünscht sich eine breite, demokratische Öffentlichkeit und eine aktive Teilnahme seiner Leser.» Das sind teilweise die damals gängigen politischen Sprechblasen, aber schon die Konzentration auf Kunst und Kultur bedeutete einen Paradigmawechsel, und tatsächlich zeigte sich ein verstärktes Bemühen um gemeinsame Diskussionen und neue Themen. Und dies sechs Mal pro Jahr. In der grossen Redaktion sassen führende Kulturwissenschaftler, von Guido Magnaguagno (Bildende Kunst) über Urs Bircher (Theater), Roland Gretler (Fotografie), Fred van der Kooy (Film), Kjell Keller (Musik), Franz Rueb (Literatur) bis zu Beat Wyss (Bildende Kunst).

 

 

Der erste Jahrgang begann noch halbwegs traditionell, mit dem Versuch, eine andere – engagierte, alternative, demokratische – Tradition zu re-etablieren. Die Nummer 1 galt dem Grafiker Clément Moreau. Die Nummer 2 stellte den linken Dokumentarfilmer Joris Ivens ins Zentrum. Dazu kamen Fotografien von Hans Staub.

 

Fussball und ein früher Eklat

Mit Nummer 3/4 dann allerdings weitete sich das Themenspektrum. Es ging nämlich um – Fussball. Der war zuvor auf der Linken eher verächtlich abgetan worden, als belanglose Zerstreuung oder als Opium der Massen. Doch nachdem sich der Wind einst erhoben hatte, begann er sich langsam zu drehen. Mitte 1975 hatte in Zürich das erste Fussballspiel zwischen zwei linken Gruppierungen stattgefunden, zwischen dem FC Bakunin und dem FC Soldatenkomitee. Zwei Jahre später wurde, um die Spielbewilligung auf städtischen Fussballplätzen zu erhalten, als ordentlicher Verein die Alternative Liga Zürich gegründet; deren frühe Geschichte hat Christoph Kohler auf der Website der ALZ beschrieen.

Man kann das Kulturmagazin als Ausdruck und zugleich treibende Kraft solcher populärkulturellen Bewegungen sehen. Die Nummer vom Sommer 1977 zentrierte sich um ein sehr langes, auch heute noch lesenswertes, Interview mit Günter Netzer. Der äusserte zwar einige Kritik am Fussballgeschäft, wollte sich und sein Fussballspielen aber nicht politisch vereinnahmen lassen. Umrahmt war das Interview mit «Exklusivbeiträgen» zur Fussballkunst von Otto F. Walter, Dieter Meier, Walter Matthias Diggelmann, Mario Comensoli und andern – das wirkte schon beinahe wie ein kollektives Coming Out. In Nummer 5 wurde dann der erste erfolgreiche Auftritt eines eigenen Kulturmagazin-Fussballensembles gemeldet.

Kaum gegründet, war das Magazin auch schon in Kontroversen verwickelt. In der ursprünglichen Redaktion sass neben zwölf Männern eine einzige Frau. Das sollte durch eine autonome Frauengruppe halbwegs kompensiert werden. Diese bereitete unter dem Titel «Im Schatten des Narziss» ein Sonderheft zu schreibenden Frauen vor, doch kam es in der Zürcher Lokalredaktion zum Eclat. Wie sich einzelnen Stellungnahmen entnehmen lässt, wurde offenbar Kritik in einer Form geäussert, die sich nicht anders als sexistisch bezeichnen lässt; obwohl einige Exponenten zu schlichten versuchten, gab die Frauengruppe mit prominenten Mitgliedern wie Bice Curiger, Isolde Schaad, Charlotte Spindler und Kathrin Steffen in Heft 5 ihren sofortigen Austritt aus dem Projekt bekannt, mit den besten Wünschen für das «Gedeihen des ersten schweizerischen Männermagazins».

Nach kurzer Ernüchterung ging es weiter. Mit der Nummer 6 im Dezember 1977 wurde die theoretische Fundierung für die «kulturelle Wende» nachgeliefert, nämlich mit einer Darstellung von Antonio Gramscis theoretischem Unterfangen, in den vielfältigen Organisationen der Zivilgesellschaft die bürgerliche Hegemonie zurückzudrängen, die Befestigungsanlagen jenseits der politischen und ökonomischen Zitadellen zu erobern. In Nummer 7 wurde mit dem Thema Fasnacht die Theorie am Exempel erprobt. Diese Mischung blieb in der Folge das durchaus erfolgreiche Konzept: Analysen neuer populärkultureller Phänomene, Erinnerung an verschüttete Traditionen und die Kultur der dritten Welt, aber auch eine kritische Begleitung der klassischen «Hochkultur». So enthielt die Doppelnummer 9/10 (1978) Artikel über das «Subventionstheater in der Krise» und gleich daneben über «Rock-Musik und Warenästhetik».

 

Aufbruch in die Regionen

Was die «Zusammenarbeit mit allen fortschrittlichen Kulturorganisationen» betraf, so bestanden persönliche aber auch thematische Beziehungen vor allem zu den Poch, insbesondere zu deren Basler Sektion, und ihnen nahestehenden ExponentInnen der Kulturszene. Der Bezug zu anderen Gruppen und Organisationen blieb eher kursorisch; eine ursprünglich geplante schweizweite Kulturagenda zu alternativen Veranstaltungen konnte sich nicht etablieren.

Die Organisationen der Neuen Linken wurden durch die Zürcher – und Berner und Lausanner – Jugendbewegung von 1980/81 auf dem falschen Fuss erwischt und herausgefordert. Das Kulturmagazin reagierte darauf in Heft 22/23 vom September 1980 vorerst eher indirekt. Man wolle sich, hiess es da, um «medienpolitische Implikationen» der Rebellion kümmern; ein Beitrag stellte das Alternative Radio Zürich vor, das ab 1983 unter dem Namen LoRa bis heute sendet. Heft 25 platzierte dann das Anarchie- und Autonomie-Zeichen aufs Titelblatt, und in der Nummer 28/29 vom Oktober 1981 versuchte das anonym – aber kaum verhüllt – figurierende Duo O-the-Punk/Redshoe, wie in anderen Organen, die Einordnung in eine übergreifende Theorie- und Politdiskussion durch eine Analyse von «Zerfall und Rekonstruktion des Politischen».

Heft 20 hatte sich dem Massentourismus gewidmet, kritisch natürlich, aber auch nach Alternativen gesucht. Heft 24 wandte sich dem Essen und Kochen zu, behandelte die Industrialisierung des Essens und die Coca-Colonisation, stellte aber auch lokale Initiativen wie Frauenbeizen vor. Dennoch oder gerade deshalb musste die Redaktion halbwegs ironisch auf den Einwand eingehen, man wolle in typisch linker Haltung alle Vergnügungen madig machen.

Bemerkenswert waren in den folgenden Nummern «Regionenreports» zu Graubünden (Heft 22/23), dem Aargau (Heft 27), Fribourg (Heft 28/29), dem Tessin (Heft 33) und der Innerschweiz (Heft 34/35). Während zu Graubünden zwei Bündner in einer materialreichen, dichten und vielschichtigen Reportage zu Wort kamen, liessen sich in anderen Beiträgen nicht immer alle metropolitanen Vorurteile abstreifen. Im Heft über den Aargau heisst ein Beitrag «Jugend in der Provinz: Pssst – Aarau schläft», und für die Innerschweiz wurden eher konventionell die verschiedenen Kultursparten auf «progressive» Inhalte abgeklopft.

Im Januar 1982 konnte das Kulturmagazin ein erstes Jubiläum feiern: fünf Jahre und dreissig Nummern. «Kampf seit … Nummern» wurde auf dem Titelblatt um die Zahl 30 gesprayt, und das Cover zeigte eine Torte, deren Kerzen sich auch als kleine Dynamitstangen lesen liessen. Tja, die Titelblätter: Das waren öfters eigens für das Kulturmagazin geschaffene Zeichnungen und Illustrationen, mit variabler Qualität.

 

Amerikanismus und Technikkritik

Die einigermassen erneuerte Redaktion suchte und erkannte bald neue Themenfelder: Tod und Sterben (34/35) oder Sprache (Heft 39). Die Nummer 44 (1984) widmete sich dem (linken) «Amerikanismus» und versuchte eine differenzierte Linie. «Wir sind zwar Anti-Amerikaner, aber süchtig nach Amerika. … So sind wir Kolonisatoren und Kolonisierte in einer Person: am Sonntag protestieren wir gegen den Imperialismus, am Montag schlüpfen wir in unsere Jeans und essen Hamburger.» Aber war das nicht seinerseits eine Verfestigung imaginierter Vorstellungen, denn protestierte damals wirklich jemand am Sonntag und assen die Kulturmagazin-LeserInnen wirklich Hamburger? Urs Hostettler verdeutlichte den Vorwurf jedenfalls einiges konkreter am Verhältnis von Essen und Kultur auf Alternativfestivals. Und der eminente Musikkenner Martin Schäfer zeigte am Beispiel der Rockmusik, wie die herrschende US-Dominanz nach dreissig Jahren durch ein europäisch-afrikanisch-amerikanisches Stilgemisch abgelöst wurde.

   

Zum Jubiläum von fünfzig Nummern erlaubte sich die Redaktion einen selbstbezüglichen Scherz. Heft 50 widmete sich sozusagen metatheoretisch der grassierenden Jubiläumskultur, während sich eine Doppelnummer 49/51 darum herum rankte.

Der als politische Wende begriffene konservative Wahlsieg in Deutschland im Herbst 1982 war schon gelegentlich als Reflexionsfolie aufgetaucht, wurde aber erst ab 1986 thematisch explizit. In der Nummer 63 vom Juni 1987 ging es um Eliten, freilich nicht als soziologische Kategorie der Bürgerlichkeit, sondern einerseits als politisches Konzept von links, mit einer Debatte um den elitären Anspruch einer Avantgardepartei, andererseits mit einem Plädoyer für eine kulturelle Elite, die sich, in welcher Form auch immer, dem Mainstream entziehe – beides nicht gerade neue Ansätze. In der Nummer 64/65 wurde im gleichen Jahr unter dem Stichwort «Utopieverlust» ein grosses Gespräch inszeniert, mit SP-Regierungsrat Remo Gysin, dem Philosophen Arnold Künzli. dem Schriftsteller Martin R. Dean und dem Historiker Jakob Tanner. Alle sahen sie die traditionell aufklärerische, an Wissenschaft und Technik sowie an einen gradlinigen Fortschrittsglauben geknüpfte Utopie als gescheitert an. Während sich Gysin und Künzli darum stritten, ob eine Utopie auch aus kleinen Schritten bestehen könne, zeigte sich Martin R. Dean als fundamentalistischer Pessimist: Die einst gefeierte Technik sei umgeschlagen in die Strategie einer Eliminierung des Menschen und nicht mehr in den Griff zu bekommen. Dagegen hielt Jakob Tanner daran fest, dass deren Gebrauch immer wieder neu auszuhandeln sei. Die folgende Diskussion findet von heute aus gesehen Anknüpfungspunkte: Mit wem soll man reden, und von wem ist noch etwas zu erwarten? Dean wetterte auf einer abstrakt theoretischen Ebene gegen das individuelle Köcheln «metaphysischer Süppchen» und fand die eingängige Formulierung: «Lieber areligiös und depressiv als religiös und euphorisch». Tanner allerdings sah, dass man im praktischen Streit angesichts eines neu entstandenen Patchworks an Ideen und Haltungen wohl einen neuen Umgang finden müsse.

In folgenden Nummern wurde das Thema, das immer auch eine Orientierungskrise markierte, gelegentlich implizit weitergeführt. Etwa in Nummer 69 (1988) mit dem Thema «Wie Gott in Frankreich» eher spielerisch, in Heft 70/71, «Das goldene Zeitalter», kulturgeschichtlich.

 

Ein Ende mit Poesie

Einige Mitgründer des Kulturmagazins hatten zu Beginn vor allem ihren Namen und ihr Prestige zur Verfügung gestellt, sich aber bald wieder vom Projekt gelöst. Andere blieben länger dabei. Etwa ab Heft 35 stabilisierten vor allem Stefan Heilmann und Dani Schönmann das Projekt, ein wenig später verstärkt durch Rosemarie Heilmann. Mit der Nummer 70 Ende 1988 waren, abgesehen von Beat Wyss, alle Gründungsmitglieder aus der Redaktion ausgeschieden. Mit der Nummer 82 vom Juni/Juli 1990 schrumpfte die Redaktion von neun auf fünf Leute.

Eine breite kulturelle Abstützung wurde damit immer schwieriger. Die Nummer 81 vom Juni/Juli 90 fragte, nach der Wende 1989/90, «Triumph der Marktwirtschaft?», und damit ähnelte das Kulturmagazin anderen, dezidiert politisch ausgerichteten Organen – der etwas jüngere Widerspruch titelte im Heft 19 zur gleichen Zeit «Sozialismus am Ende?». Auch ein Thema wie Antisemitismus im Heft 99/100 von Mitte 1993 – zugleich eine der erfolgreichsten Ausgaben mit einer Zweitauflage – war stärker politisch denn kulturpolitisch angelegt.

Das folgende Quasi-Jubiläumsheft 102 vom Dezember 1993 druckte in einem Rückblick verschiedene Artikel aus früheren Nummern ab – nicht ganz zufällig stammten diese mehrheitlich aus den Anfängen und endeten mit Heft 61 aus dem Jahr 1987.

Für die Nummer 114 vom November 1996 / Januar 1997 stellte Rosemarie Heilmann eine Ausgabe mit Originalgedichten zusammen. Sie enthielt eine schon beinahe repräsentative Auswahl Schweizer LyrikerInnen, war eine bemerkenswerte Parforceleistung. Doch dann war Schluss. Das Kulturmagazin stellte sein Erscheinen ein, ohne grosses Tamtam und Gejammer. Die Mischung von demokratischer Kunst und Kulturpolitik hatte sich erschöpft.

 

Im Rückblick auf zwanzig Jahre ist das Kulturmagazin mit einem Korpus von rund 4500 Seiten ein bemerkenswertes Dokument. Es bleibt sein Verdienst, viele kulturelle und kulturpolitische Themen neu aufzugreifen und die Zivilgesellschaft als Streit- und Kampffeld vermessen und bespielt zu haben. Etliches ist zeitgebunden, aber auch darin drückt sich der Zeitgeist prägnant aus. Anderes, manches ist noch nicht abgegolten.

Stefan Howald

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Der Überflieger

Ein Kabarettprogramm von Hans Fässler, in voller Länge, bietet der bücherraum in seinem neusten Podcast.

Mit vier Goldmedaillen an Olympischen Spielen ist Simon Ammann der erfolgreichste Schweizer Wintersportler. Hans Fässler, Lehrer, Historiker, Aktivist, Kabarettist, hat über ihn eine Passionsgeschichte in vierzehn Stationen geschrieben. Wie der Simi seine Berufung findet. Wie er aus der tristesse toggenbourgeoise in die weite Welt fliegt. Wie Simon der Erhörte im Triumph in seine Heimatstadt zurückkehrt. Wie er sich mit dem Erfolg abmüht.

Fässler schildert, wie der Skiflieger sich zunehmend in einem Business verwickelt, das immer mehr Geld umsetzt, und wie er zum Spielball der Medien wird. Nicht nur en passant wird auch das indigene Volk im Toggenburg mit Staunen, aber auch ein wenig Trauer betrachtet. Da treten zwei Königreiche an gegenüberliegenden Abhängen gegeneinander an und bekämpfen sich mittels der Raumplanung. Da wird der kleine grosse Sohn auf seine Werbemöglichkeiten gemustert, um dem Heidiland ein Similand beizugesellen. Da wird er gönnerhaft in die führende Wirtschaftsclique einbezogen und darf sich an der lokalen Bergbahn beteiligen.

So ist diese Passionsgeschichte verknüpft mit vielfältigen Geschichten und Analysen von Werbung, Geschäft und gesellschaftlicher Sozialhygiene und wird zum geistreichen, aufklärenden Sittenbild. Ergänzt wird das unterhaltsame Programm durch ein erst kürzlich zum Vorschein gekommenes Volkslied auf Simon Ammann, sowie als Editors Cut durch eine Zugabe über Simi in Strassburg.

Im Übrigen hofft Hans Fässler immer noch auf einen Abend mit Simon Ammann und Walter Steiner. Dann erneut im bücherraum, wo ja genügend Bücherberge Höhenflüge erlauben.


Hingewiesen sei zudem auf frühere Podcasts aus der edition bücherraum, unter http://www.tinyurl.com/br-podcasts:

  • Friederike Kretzen zu Adelheid Duvanel
  • Rolf Bossart zu Klaus Heinrich
  • Widerspruch-Diskussionsrunde: Bildung für wen?
  • Stefan Howald zu Atlanten und Weltgeschichten
  • Peter Huber zur Résistance in Frankreich
  • Zita Küng zu feministischen Sachbüchern und Krimis
  • Stefan Howald zu Wilhelm Reich
  • Hans Fässler zu Denkmalstürzen
  • Madeleine Marti zu Marlene Stenten
  • Internationale Konferenz zu Stuart Hood
  • Stefan Howald zu Stuart Hood
  • Ruedi Küng zu Ryszard Kapuscinski
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