«Basel West»

Ein Abend mit «Haus im Jura»

An einem Januarabend in zügigem Schritt an den grossbürgerlichen Häusern in Basel entlang bis zum Barfüsserplatz, dann den Heuberg hoch, an der Uni vorbei zur Hebelschanze und etwas weniger gediegen weiter bis zum «lokal.» an der Hebelstrasse 108, einem Ort für «soziale Vernetzung und Kultur». Eine kleine Bar, zwei Dutzend Stühle, mit wöchentlichem Konzert. Da spielt heute «Haus im Jura», ein Trio, seit 2010 unterwegs, für diesen Abend aufgestockt zum Quartett. Roger Monnerat, vielfältiger Autor, schreibt Lieder, Stephan Anastasia legt mit seiner Gitarre einen soliden Rhythmus darunter, Christine Planta zupft sanfte oder entschiedenere Basslinien darüber, und dann gibt es noch etwas Zusatzpep mit dem Saxophon von Reto Planta.

Monnerat hat eine biegsame Stimme und auch das Aussehen, samt Zigarette (vor dem Lokal natürlich), für einen Chanteur. Heute Abend gibt es eine kleine Zeit- und Ortsreise. «Basel West», was einem so auffällt im Quartier, nicht weltbewegend, aber alltäglich lebendig. «Blues in Jahreszeiten», ein bisschen mit Rilke spielend: «der Sommer war ein greller Schrei», und dann melancholisch den Mühen der Ebenen nachspürend: «um nicht allein zu schlafen, versöhnt sich manches Paar». «Jazz, Haschisch und Wein» hält an den milden künstlichen Paradiesen fest. «Sterben ist bei Gott kein Spass» macht sich einen Spass mit drei Leben, mit etlichem Sprachwitz, wobei Joe Ackermann, vom goldenen Fallschirm beschwert, nur einen harten Aufprall schafft – da überspringt der Wunsch die Realität. Eine kleine Mäkelei zu den «schwarzen Raben in den Feldern». Schwarze Raben? Ja, es braucht sie als Kontrast zu den weissen Wolken und den gelben Feldern, aber vielleicht hätte man die Tautologie doch umspielen und als Herausforderung begreifen können. Solch müssige Gedanken kommen einem, wenn es gut zu und her geht. Ein wohltuender Abend, ohne Hektik, mit sanft in die Fussspitzen ziehenden Klängen und ein paar rhetorischen Fussangeln.

sh

Haus im Jura

 

Dieser Beitrag wurde unter Kulturkritik, Veranstaltungen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.