Stürme der Geschichte

Bücherräumereien (XXIII): Bruchstücke zu Rosa Meyer-Leviné

«A Storm from paradise» beschreibt eine Liebesgeschichte kurz vor dem 1. Weltkrieg. Ein schottischer Provinzlehrer wird von der russischen Emigrantin Elizabeth de Pass, die es auf verwickelten Wegen in sein Dorf verschlagen hat, für einen Winter und einen Frühling aus seinem engen, vorgespurten Leben gerissen. Doch er vermag die ihm gebotene Ausbruchsmöglichkeit nach ihrer Abreise nicht zu ergreifen und zieht sich in eine konventionelle Ehe und Karriere zurück.

Erschienen ist das Buch 1985 in London, und sein Autor Stuart Hood schreibt darin über seinen Vater, zwischen Realität und Fiktion. Der eindrücklich evozierten Herkunft, den sozialen Verhältnissen und Zwängen wird die fiktive Liebesbeziehung überschrieben. Später hat mir Hood, als ich einen früheren Roman von ihm übersetzte, in London gesagt, für die Figur der russischen Emigrantin habe er sich von Rosa Meyer-Leviné inspirieren lassen, die er in den sechziger Jahren in London gekannt habe.

Rosa Meyer-Leviné (1890–1979) führt tief in die Geschichte der kommunistischen Bewegung im kurzen 20. Jahrhundert zurück. Sie hat im hohen Alter zwei Bücher veröffentlicht, eines über ihren ersten, eines über ihren zweiten Ehemann. Die Männer stehen jeweils im Zentrum der Darstellungen, doch durch Meyer-Levinés unverwechselbare Erzählungen wird zugleich deren eigene Persönlichkeit sichtbar. Da ist erstens «Leviné. Leben und Tod eines Revolutionärs». Der russisch-deutsche Revolutionär Eugen Leviné (1883–1919) war der Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in München und im April 1919 der Anführer der zweiten Regierung der dortigen Räterepublik. Nach deren Niederschlagung wurde er am 13. Mai gefangengenommen und nach einem Kriegsgerichtsverfahren am 4. Juni erschossen. Das zweite Buch «Im inneren Kreis. Erinnerungen einer Kommunistin in Deutschland 1920–1933» ist hauptsächlich dem Schicksal von Ernst Meyer (1887–1930) nacherzählt. Der war wie Leviné Mitgründer der KPD, danach zweimal Parteivorsitzender und in mehr oder weniger führender Position tätig bis zu seinem Tod wegen Tuberkulose.

Rosa Meyer-Leviné selbst wurde 1890 als zwölftes Kind eines Rabbiners im damaligen Russisch-Polen geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters reiste sie als junge Frau nach Wien und dann nach Heidelberg, schlug sich als Gouvernante und Privatlehrerin durch, lernte 1910 Eugen Leviné kennen und heiratete diesen 1915 in Berlin.

Märtyrer

Das erste Buch, auf Deutsch 1972 und auf Englisch 1973 mit einer Einleitung von Eric Hobsbawm erschienen, hat einen entschieden revolutionären Impetus. Allerdings beschreibt Rosa Leviné darin bereits eine Ambivalenz der kommunistischen Bewegung. Eugen Leviné und mit ihm die KPD hielten die Ausrufung der Räterepublik in München am 7. April 1919 für verfrüht und abenteuerlich; aber, einmal begonnen, stellte sich Leviné hinter den Aufstand, wie es einst Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bei der Januarrevolution in Berlin getan hatten. Nach einem niedergeschlagenen Gegenputsch setzte sich die KPD unter Leviné an die Spitze der zweiten Räteregierung, während frühere anarchistische Protagonisten wie Gustav Landauer und Erich Mühsam an den Rand gedrängt wurden. In der Historiografie wird das zumeist als Machtübernahme durch die Kommunisten beschrieben; Rosa Leviné stellt es eher als Aufopferung dar. Eugen Leviné habe gewusst, dass die Räterepublik zum Scheitern verurteilt gewesen sei, aber einmal in Gang gesetzt, habe jemand die Sache bis zum bitteren Ende ausfechten müssen.

Trotz, oder wegen, der traumatischen Erfahrung, der Hinrichtung ihres Mannes beiwohnen zu müssen, blieb Rosa Leviné ihrem politischen Engagement treu. 1922 heiratete sie Ernst Meyer. Damit geriet sie in den «inneren Kreis» der kommunistischen Politik in den zwanziger und dreissiger Jahren. Meyer war 1922 und wieder 1927/28 KPD-Parteivorsitzender, dazwischen und danach, bis zu seinem Tod 1930, der Vertreter einer «mittleren» Position, die sich im Widerspruch zur «ultraradikalen» wie der «reformistischen» Strömung in der KPD befand. Verzahnt war das mit der globalen Entwicklung. Die KPD war die mächtigste kommunistische Partei ausserhalb der jungen Sowjetunion, ihr Schicksal entsprechend eng mit der Kommunistischen Internationale, der Komintern verknüpft. Meyer und Meyer-Leviné reisten in den zwanziger Jahren mehrfach nach Moskau; Meyer-Leviné sprach ja russisch und wirkte zuweilen als Dolmetscherin.

Enttäuschungen

Die Lektüre ihres zweiten Buchs ist eine über weite Strecken deprimierende Angelegenheit. Was sich als roter Faden durchzieht: Die KPD hat «im inneren Kreis» vor allem aus Fraktionskämpfen bestanden. Linke, Mitte und Rechte befehdeten sich beinahe bis aufs Blut. Kaum ein führendes Mitglied, das nicht einmal entmachtet, gar ausgeschlossen wurde. Natürlich, dahinter lagen politische Meinungsunterschiede, insbesondere zwischen «Offensivstrategie» und «Einheitsfront». Befand man sich kurz nach dem 1. Weltkrieg in einer revolutionären Situation und sollte auf Waffengewalt zur Erringung der Diktatur des Proletariats gesetzt werden, oder musste man sich um eine Zusammenarbeit mit der sozialdemokratischen Mehrheit in Gewerkschaften und Arbeiterbewegung bemühen? Wie hielt man es mit dem Parlamentarismus und der Tolerierung von Mitte-Links-Regierungen in einzelnen Freistaaten Deutschlands? Rosa Meyer-Leviné versucht das an Stimmungen, Meinungen, Positionen in der Arbeiterschaft zurück zu binden, wobei sie als nicht-mandatsgebundene Mitarbeiterin ihres Mannes durchaus ein Ohr bei der Basis hatte. Aber der subjektive Faktor, die Führer – und die gelegentliche Führerin – spielen doch die entscheidende Rolle. Häufiger ändernde Positionen von KPD und Komintern dienen, ebenso wie die wechselnden Koalitionen, vor allem der Absicherung der eigenen Macht. Ab 1928 setzt dann die Komintern die absurde, verheerende Sozialfaschismustheorie durch, wonach nicht die aufkommenden Nazis oder das Bürgertum, sondern die Sozialdemokratie den Hauptfeind darstellte. Es war eine Wiederaufnahme der schon einmal gescheiterten ultralinken Position, abgesichert vom willfährigen Ernst Thälmann.

Meyer-Leviné kann sich dabei zuweilen den widersprüchlichen Einschätzungen nicht einfach entziehen. Wünsche und Realitäten geraten durcheinander. Im deutschen Oktober 1923 wäre, so schreibt sie, die Bereitschaft vorhanden gewesen, die durch die reaktionäre Reichsregierung entmachtete Volksfrontregierung in Sachsen und Thüringen mit einem Generalstreik, gar mit Waffen zu verteidigen. Doch plötzlich will der Betriebsrätekongress nicht mitmachen. Ist das ein Versäumnis der KPD oder ein Verrat der SPD? Der Kampf um die Zitadellen der Macht wird jämmerlich abgebrochen, obwohl sich «die Arbeiterschaft viele Monate lang mit ganzem Herzen vorbereitet hatte». Nur in Hamburg wird auf den Barrikaden gekämpft. Ist das heroischer Widerstand oder selbstmörderisches Abenteurertum, durch ein Missverständnis ausgelöst? Noch in der Niederlage versucht Meyer-Leviné, einen Hoffnungsschimmer zu entdecken. «Die Bewegung gewann aus all ihren tragischen Irrtümern doch auch unschätzbare Erfahrungen für die Zukunft.»

Noch deutlicher wird dieses Schwanken in der Beschreibung ihrer Reisen in die Sowjetunion. 1925 erscheint ihr als Höhepunkt der dortigen revolutionären Entwicklung: überall Begeisterung, neue Ideen, Initiativen, ja, neue Menschen. Aber dann trifft sie den Komintern-Vorsitzenden Grigorj Sinowjew, und als der wider besseres Wissen die damaligen Intrigen in der KPD gegen Ernst Meyer leugnet, «begriff ich, treue, inbrünstige Kommunistin, blitzartig die Bedeutung eines totalitären Staates». 1928 haben sich wirtschaftliche wie politische Lage verschlechtert. Sie sieht die abgewürgte Eigeninitiative im täglichen Leben und erlebt «verstört» den ersten Schauprozess gegen technische Kader, denen Sabotage vorgeworfen wird. Zugleich aber: die Frauen! Intelligent, erfrischend, ehrgeizig, kurzum: «Kinder der neuen Ordnung». 1930 können sie und ihr Mann, beide an Tuberkulose erkrankt, ein Sanatorium besuchen, und das ist «wie eine lebendige Illustration der sozialen Gerechtigkeit». Gleichzeitig erlebt sie auch im persönlichen Bekanntenkreis, wie sich in der Sowjetunion das Duckmäusertum durchsetzt, wie sich Ehepartner über der Frage, wie weit man sich anpassen muss, gefährlich entzweien.

Abrechnungen

In ihrem Buch rechnet sie unbarmherzig mit der Politik der KPD ab: Im März 1921 nahm die, um das angebliche revolutionäre Feuer zu schüren, «Zuflucht zu Sabotage, Bombenlegerei und schlichter Provokation. Ja, es hat Versuche gegeben, die Schutzpolizei so zu provozieren, dass sie als erste angriff, damit die Arbeiter losschlügen. [..] Es schien keine Rolle zu spielen, wessen Blut da noch floss.» Während der späteren ultraradikalen Phase 1924 hätten «Lug und Trug» die Partei beherrscht; 1925 habe die Kandidatur von Ernst Thälmann bei der Reichspräsidentenwahl die Wahl des Monarchisten Paul von Hindenburg gegen den Kandidaten der Mitte ermöglicht; der Aufbau unabhängiger roter Gewerkschaften sei jämmerlich gescheitert; der Aufruf zu einer Demonstration am 1. Mai 1929 in Berlin, die in ein Blutbad durch die sozialdemokratisch kommandierte Polizei mündete, sei ein unverantwortlicher katastrophaler Fehlschlag gewesen; die Komintern habe schon vor der Machtübernahme von Stalin die KPD unter ihre Knute gezwungen und recht eigentlich zerstört.

Und sie liefert ebenso unbarmherzige Psychogramme. Ruth Fischer, die ultralinke KPD-Führerin von 1924/25: aufgeblasenes Selbstbewusstsein und Besserwisserei bei politischer Ignoranz. Deren Bruder Gerhart Eisler (beides im Übrigen Geschwister des Komponisten Hanns Eisler): zuerst überwältigende, bestürzende Dünkelhaftigkeit, dann 1932 ein zerstörter, geduckter Mensch. Ernst Thälmann, KPD-Vorsitzender ab 1925: ein tapsiger Bär, ein dürftiger Denker, dann eine willfährige Marionette der Komintern. Heinz Neumann, früh ein Opfer, spielte selber eine prominente Rolle bei der «Rückgratbrecherei»; Arthur Ewert, der einige Jahre zusammen mit Meyer die «Mitte»-Fraktion führte, beging 1930 einen «schändlichen Akt der Unterwerfung». Selbst Willi Münzenberg, der legendäre Propagandist, sei ein intriganter Opportunist gewesen, zunehmend politisch korrupt. Die einzige der grossen KPD-Gestalten, die einigermassen unbeschadet davon kommt, ist Clara Zetkin. Unangetastet bleibt auch Lenin, den Rosa Meyer-Leviné einmal, 1922 in Moskau, bei einem Kongress als überwältigend erlebt hat, und der aus den Erfahrungsberichten, die sie aus erster Hand erhält, ebenfalls als Leuchtfigur hervorgeht. Auch die überragenden politischen und theoretischen Trotzkis Fähigkeiten werden gewürdigt, wobei dieser sich zuweilen in einen anderen Menschen verwandelt habe, wenn seine Eitelkeit ihn übermannt habe. Zu Karl Radek und Grigori Sinowjew und Nikolai Bucharin pflegt sie anfänglich gute, ja freundschaftliche Beziehungen, aber die drei unterwerfen sich einer nach dem anderen der stalinistischen Linie und sind schliesslich zerbrochene Männer – viele Jahre bevor sie nach Schauprozessen hingerichtet werden oder im Gefängnis umkommen.

Selbstkritik

Zweifellos, Rosa Meyer-Leviné ist befangen, und sie findet, Ihr Ehemann Ernst Meyer sei der einzige, der die KPD je politisch und administrativ erfolgreich geleitet habe. Aber sie überliefert auch von diesem erschreckende Positionen, etwa wenn er 1925 meint, man hätte Sinowjew wegen dessen Zerstörung der KPD aufknüpfen sollen. Und Meyer, der sich über lange Jahre hinweg persönlicher Intrigen enthalten hat, vollzieht auch einmal im «Interesse der Partei» eine Absage an frühere Positionen und gibt damit seine «moralische Integrität» preis. Sie selbst nimmt sich von der Kritik ebenfalls nicht aus. Nach dem Tod ihres Mannes 1930 entschliesst sie sich, auch aus finanziellen Gründen, für die sowjetische Seite Propagandaarbeit zu übernehmen und als Russland-Berichterstatterin für die deutsche kommunistische Presse zu wirken. Dabei schreibt sie einen langen Artikel über den ersten Fünfjahresplan: «vierundzwanzig Seiten lang Lügen. Rückblickend lesen sie sich wie das Gefasel einer Irren.» Und sie stimmt mit grundsätzlichen Beschreibungen etwa von Margarete-Buber-Neumann überein, der Witwe von Heinz Neumann, wie Parteikader sich allmählich in Illusionen, Lügen verstrickt, sich selbst entfremdet und schliesslich allen absurden Vorwürfen unterworfen hätten.

Anfang 1933 wird Rosa Meyer-Leviné die Lage in der Sowjetunion unerträglich, und sie reist nach Deutschland zurück. Wenige Wochen später ist Adolf Hitler an der Macht, also flieht sie nach Prag, dann nach Frankreich und im Oktober 1934 nach London. Wo sie bis zu ihrem Tod 1979 leben wird, von einem kurzen Aufenthalt in Heidelberg unterbrochen.

Eine Hypothese

Trotz ihres Antistalinismus und anders als Buber-Neumann, die eine der Kronzeuginnen des Antikommunismus wurde, hat Rosa Meyer-Leviné ihre linken Überzeugungen nie aufgegeben. So erscheint sie denn auch in Stuart Hoods Buch «A storm from paradise». Der schreibt von einem Ich-Erzähler her über seine Figur: «For the purpose of my romance I have given her H´s looks, intelligence and directness, but I require other details which I shall take from someone else with another destiny than hers whom I knew much later.» Tatsächlich skizziert er, als «my hypothesis», den Lebenslauf einer Rabbiner-Tochter aus Russisch-Polen, die gegen ihre Herkunft rebelliert und sich in sozialistischen Kreisen politisiert. An der Figur interessieren Hood zwei Dinge, die die Figur des Vaters aus der konservativen schottischen Atmosphäre herausholen sollen: ihre politische Haltung und eine Freizügigkeit in persönlichen Beziehungen und in der Erotik. Letztere hat Rosa Meyer-Leviné in den ersten Seiten ihrer Leviné-Biografie angedeutet, wenn sie schreibt, dass sie bis zur Heirat mit Leviné neben ihren Liebesbeziehungen auch mit Männern zusammenlebte, die ihr den Lebensunterhalt sicherten.

Gegen Ende von Hoods Buch, nachdem sich der Vater/Schullehrer in einem konventionellen Leben eingerichtet hat, skizziert der Ich-Erzähler als Alternative das Leben von Elizabeth de Pless in den zwanziger und dreissiger und schildert deren politische und soziale Tätigkeit in Deutschland. Nun nennt er sie bei ihrem richtigen Namen: Elizavyeta Mueller-Potapova. Darin wird Rosa Meyer-Leviné sichtbar, aber doch wieder halb fiktiv überdeckt. Zudem wird ihr späteres Leben in London nach dem 2. Weltkrieg beschrieben. «her interest in politics awoke once more so that in the fifties and sixties she drew to her flat young people on the left: a radical publisher, the editor of a Marxist journal, members of various Trotskyist group […] There was always in her comments on the present a clear dialectic process at work, a sharpness and a practicality that deflated the arguments of revolutionary utopians and cut through the verbiage of fashionable theory.» Das scheint der Realität zu entsprechen, wie sich bruchstückhaft rekonstruieren lässt. Der eminente Kommunismusforscher Hermann Weber lernte sie offenbar in den sechziger Jahren kennen und benützte als erster ihr Privatarchiv insbesondere zu Studien über Ernst Meyer. Eric Hobsbawm verkehrte bei ihr, wie sein Nachwort zur Leviné-Biografie belegt. 1972 spannte sie offenbar den in der Nachbarschaft wohnenden Erich Fried ein, um in der Bundesrepublik eine Rehabilitierung ihres erschossenen ersten Mannes Eugen Leviné zu erreichen. Auch in einem Nachruf auf den 2013 verstorbenen israelischen Sozialisten Akiva Orr taucht sie als regelmässige Gesprächspartnerin auf.

Stuart Hood hat mir gelegentlich einen Eindruck von ihr vermittelt. «Sie lebte in London und telefonierte mir gelegentlich, ich solle sie besuchen. Dann hat sie mir Geschichten erzählt, in Russisch und Deutsch, über die deutsche Politik, über Trotzki und Bucharin in Wien, unglaubliche Geschichten, manche davon sicher wahr, einige vielleicht auch nicht. Sie hasste Trotzki. Sie hatte einst einen neuen Rock gekauft, ich glaube, zu dieser Zeit war sie die Freundin eines linken österreichischen Industriellen. Trotzki machte eine abschätzige Bemerkung darüber, und das hat sie ihm nie verziehen.» Im Übrigen hat Hood in «A storm from paradise» mit einer Nebenbemerkung seine eigene Geschichte hinein verwoben. Er selbst war Ende sechziger, Anfang siebziger Jahre verheiratet mit Renée Goddard, einer Tochter von Werner Scholem – der seinerseits in den zwanziger Jahren einer der prominentesten innerparteilichen Gegner von Rosa Meyer-Levinés Ehemann Ernst Meyer gewesen war.

Hermann Weber hat in den siebziger Jahren die Herausgabe der beiden Bücher von Rosa Meyer-Leviné unterstützt und die in ihrem Todesjahr erschienenen «Erinnerungen» herausgegeben und kommentiert. Seither werden ihre Bücher in historischen Studien als Quellen angeführt, aber ihre eigene Rolle in der deutschen ArbeiterInnenbewegung ist bisher nicht aufgearbeitet worden. In zwei kürzlich erschienenen Biografien zu Werner Scholem wird sie nur ganz beiläufig erwähnt. Auch der im Bundesarchiv in Konstanz vorhandene Nachlass ist nicht weiter ausgewertet. In einer Studie über «Nachlässe und Sammlungen deutschsprachiger Personen im britischen Exil» von 2017 wird ihr Todesjahr falsch angegeben, und als Nachlass wird einzig ihre Leviné-Biografie aufgelistet.

Immerhin: Hoods Buch, dessen Titel sich an Walter Benjamins Engel der Geschichte orientiert, hat ihr ansatzweise ein eigenwilliges Denkmal gesetzt.

Stefan Howald


Die beiden Bücher von Rosa Meyer-Leviné sind im bücherraum f in der Politisch-philosophischen Bibliothek in der Abteilung GB vorhanden.

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