Krieg den Schreibpalästen

Linksbüchneriade 26

Kürzlich ist in den Kreisen der Vereinigung der Freundinnen und Freunde des Linksbüchnerianismus die Frage aufgeworfen worden, und zwar recht vehement, ob der Begriff Linksbüchnerianismus nicht eine Tautologie darstelle, da Büchner sich ja nicht anders als links lesen lasse. Was nun aus aktuellem Anlass verneint werden muss. «Friede den Hütten, Krieg den Palästen», ist am vergangenen Freitag in der «Basler Zeitung» der Leitartikel zum Wahlsieg von Donald Trump überschrieben gewesen, und der einschlägig bekannte Chefredaktor M.S. hat im folgenden Georg Büchners Wort angeführt und gemeint, der Spruch gelte immer noch, wie sich jetzt am Aufstand der einfachen Leute gegen die da oben gezeigt habe, und unter diesem Motto habe die Revolution, die in der Schweiz gestartet worden sei, in den USA einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Man kennt ja mittlerweile, wie der Rechtspopulismus ideologisch funktioniert: Ein wirkungsmächtiger, traditionell links verstandener Begriff, ein Konzept werden entwendet und nach rechts gewendet. An die Stelle eines sozialen und wirtschaftlichen Gegensatzes – zwischen Arm und Reich wie bei Büchner – wird ein anderer, zumeist konstruierter Gegensatz (zwischen «Volk» und «Elite») geschoben. Darüber hinaus bleibt einem angesichts solcher haarsträubender, ignorant oder bewusst vorgenommener, Verfälschungen jeder Witz im Hals stecken. Womit der Rechtspopulismus eben gerade rechnet.

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