Gewichtiger Einwand

Linksbüchneriade 28

«Der gewichtigste Einwand: Im gleichmacherischen Dauerkreisel wird die Klassenfrage eingeebnet», heisst es in der Besprechung einer Inszenierung von Büchners «Woyzeck» in Basel. Und das Blatt, in dem die scharfsinnige Kritik erschienen ist, kennt sich in der Klassenfrage bestens aus. Die «Neue Zürcher Zeitung» hat unter der nicht mehr so neuen Chefredaktion von E. G. samt Kulturchef R. S. entdeckt, wo sich die scharfen Gegensätze durch unsere Gesellschaft ziehen und wo die Unterdrücker hocken: in den rot-grünen Stadtregierungen, in der Bürokratie und in Genossenschaftswohnungen, oder bei der Political correctness, insbesondere in der Gender-Theorie. «Alle, auch die gesellschaftlich mächtigen Täter, sind Opfer der allumfassenden Weltenmaschinerie. Das ist so ziemlich das Gegenteil von Büchners Intention in seinem bewusst parteilich anklagenden Proteststück», hält die «Woyzeck»-Besprechung fest. Aber es ist ziemlich genau das Verfahren der NZZ, wenn die Rechtsintellektuellen sich zu armen Opfern stilisieren, wobei Slavoj Žižek in seiner jüngsten Inkarnation als antilinker Nonkonformist als Gewährsmann dient. Dass G. und S. alle Artikel in der eigenen Zeitung lesen, ist wohl nicht zu hoffen – das erledigen ja nächstens KorrektorInnen in Bosnien.

sh

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