Eine leuchtende Zivilisationsgeschichte

Um die ganze Menschheitsgeschichte ging es ihm, um Unterdrückung und Befreiungsversuche des Menschengeschlechts. Man darf Klaus Heinrich (1927-2020) durchaus als Universalgelehrten bezeichnen, mit einem fotografischen Gedächtnis und unersättlicher Neugier ausgestattet.

1948 gehörte er als Student zu den Mitbegründern der Freien Universität in Westberlin. Ab 1952 lehrte er Religionsphilosophie und war von 1971 bis 1995 Professor am Institut für Religionswissenschaft der FU; letztes Jahr ist er in hohem Alter gestorben

Als Religionsgeschichtler hat Klaus Heinrich eine ganz eigene Interpretationskunst ausgebildet. Mit einem Freudschen Instrumentarium analysierte er die historischen und zeitgenössischen Gesellschaftsumbrüche. Seine Berliner Vorlesungen, frei gehalten und weit durch verschiedenste Wissensbereiche schweifend, waren legendär. Erst allmählich erscheinen sie jetzt in gedruckter Form.

Der Publizist und Pädagoge Rolf Bossart stellt Klaus Heinrich, sein Leben und Werk vor, schöpft auch aus eigenen Begegnungen mit ihm in Berlin.

Heinrich wollte gegen jede Verdrängung den Symptomen nachspüren, in denen sich Unerwartetes, auch Abgewehrtes äusserte. Verdächtig mussten alle Absolutsheitsansprüche und Dogmen erscheinen, die doch den Widerspruch notwendig erzeugten. Dennoch begriff er den Menschen als «Mittewesen», nicht im Sinne einer voreiligen Versöhnung zwischen Polen, sondern indem gerade die Spannung zwischen den Polen anerkannt und fruchtbar gemacht werde.

Der 50-minütige Podcast von Rolf Bossart findet sich hier:

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