Unermüdlich feministisch

Als langjährige Studienleiterin an der Paulus-Akademie hat Brigit Keller viele angeregt, vor allem Frauen, und manches ist aufgegangen von dem, was sie geistig und emotional gesät hat. 80 Jahre ist sie grad geworden, es war und ist ein reiches Leben. Schreiben gehörte und gehört zu ihr. Audre Lordes Motto «Dichten ist kein Luxus» gilt auch für Brigit Keller.

So durfte es kürzlich heissen: Feiern mit Gedichten. Am 10. März im bücherraum f versammelten sich Freundinnen und Freunde. Brigit las eine reiche Auswahl von Gedichten, veröffentlichte und unveröffentlichte. Die Natur, Landschaft, Tiere, anrührende Begegnungen, daraus entwickeln sich Sentenzen, Gedanken, hallen im Echoraum der Worte.

Die Lesung, der Abend lässt sich hier nachhören:

Veröffentlicht hat Brigit Keller erst spät, drei Gedichtbände liegen mittlerweile vor, im eFeF-Verlag, mit sprechenden Titeln: «Vogelflug im Augenwinkel» (1998), «Wasserzeichen in meiner Haut» (2006), zuletzt «Sehnarben» (2011/15).

Die Buchstaben können tanzen, funkeln, aber sie können auch zornig werden, als notwendiges Aufbegehren gegen die Zumutungen der Welt. Die Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde (1934-1992), die Brigit Keller zweimal an die Paulus-Akademie eingeladen hatte, hat sie als unermüdliche Kämpferin bestärkt. Der Widerstand mag zart, zugleich utopisch sein, wie der Schmetterling, der gegen Wind und Wetter anfliegt. Das schliesst Empathie ein: «Glück ist, andern die Türe zu öffnen, sagen zu können, kommt herein, es ist Platz da und Wärme für alle.» Die Individualität wird dabei nicht aufgegeben, im Gegenteil, sie bleibt notwendig, sogar die zerbrechliche Schönheit einer Porzellantasse, denn «Freiheit hat je ein neues Gesicht».

Was Brigit Keller anlässlich des Kriegs in Syrien formuliert hat, ist erneut und immer wieder aktuell. «Die Worte geben nicht auf, die Worte dürfen nicht aufgeben. Aber der Stacheldraht ist nicht zerschnitten.»

Hier finden sich ein paar Reminiszenzen an den Abend im bücherraum f.

 

 

 

 

 

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